Thomas Cook-Pleite: Veranstalter hält deutsche Urlauber in Hotel fest

Hunderttausende Reisende stehen vor dem Urlaubs-Chaos. Am Montag stellte der britische Touristikkonzern Thomas Cook den Insolvenzantrag. Auch die deutsche Tochter ist mittlerweile pleite. Auf deutsche Urlauber hat ein Hotel-Manager ein "Kopfgeld" ausgesetzt.


Thomas Cook Deutschland stellte am Mittwoch Insolvenzantrag. Die Meldungen zur Pleite des Reise-Giganten überschlagen sich: Nadja Abd El Farrag soll auf Mallorca gestrandet sein. Eine deutsche Reisegruppe mit 14 Teilnehmern wird in der Dominikanische Republik im Hotel festgehalten. Es kam zu dramatischen Szenen. "Gerade haben wir mitbekommen, dass der Manager des Hotels, in dem wir residiert haben, bei der Bevölkerung ein Kopfgeld ausgesetzt hat", erklärt einer der Reisenden. Ein Video zeigt, wie sie gewaltsam an der Abreise gehindert wurden.

Unter Tränen richten sich im Flieger Mitarbeiter der Bordcrew an ihre letzten Passagiere. In Bulgarien befinden sich derzeit 3940 Urlauber von Thomas Cook: Die Regierung hat dazu aufgerufen, die Gäste zu versorgen. Die große Furcht der Hotels auf der ganzen Welt ist groß, auf den Kosten sitzen zu bleiben.

Die EU-Pauschalreiserichtlinie sieht eigentlich vor, dass die Rückführung der Gäste Priorität genießt. Die Chefin von Thomas Cook Deutschland, Stefanie Berk, versichert: "Wir haben uns gesetzeskonform mit einer Obergrenze von 110 Millionen Euro versichert. Das Geld wird ausreichen, um alle Kunden, die auf Reisen sind, nach Deutschland zurückzubringen." Auch dem Reiseverband DRV wurde bestätigt, dass die Zurich Versicherung die Kosten für zwischen Thomas Cook Deutschland und Leistungserbringern wie zum Beispiel Hotels und Fluggesellschaften vereinbarten Leistungen übernimmt.

Die deutsche Tochter von Thomas Cook hat beim Bund einen staatlichen Überbrückungskredit in Höhe von 375 Millionen Euro beantragt. Das Geschäft in Deutschland mit Neckermann, Bucher Reisen, Öger Tours & Co. sei bis zuletzt profitabel gewesen.

Tui-Chef Friedrich Joussen sieht in der Pleite von Thomas Cook einfach eine Marktbereinigung, die längst überfällig war. Thomas Cook habe es versäumt, sich rechtzeitig auf dem Reisemarkt neu auszurichten: Etwa auf das Geschäft mit Kreuzfahrten zu setzen.

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