Amtsärzte fordern neue Strategie für Lockerungen

Einem Medienbericht zufolge fordern mehrere Berliner Amtsärzte, die Strategie zur Einschätzung des Corona-Infektionsgeschehenes in Deutschland und den damit verbundenen Maßnahmen oder Lockerungen, grundsätzlich zu ändern. Ihr Vorschlag ist eine Art Frühwarnsystem, das vor allem ältere und kranke Menschen besser schützen soll und weniger gefährdeten mehr Freiheiten gewähren könnte.

Laut den Ärzten mache es wenig Sinn, alle Corona-Maßnahmen nur auf generelle Inzidenzwerte, ob in ganz Deutschland oder in einzelnen Landkreisen, hin auszurichten. Es sei offenbar "nicht zielführend, Eindämmungsmaßnahmen an Inzidenzen von 20/35/50 zu koppeln. Diese Inzidenzen bilden nicht das wirkliche Infektionsgeschehen ab", so heißt es in der Stellungnahme der zwölf Ärzte, die dem Tagesspiegel vorliegt. Hinzu kämen starke Schwankungen und Abweichungen bei den Infektionswerten, da sie immer von den jeweiligen Testkapazitäten abhängen würden und vom Willen der Menschen, sich testen zu lassen.

Frühwarnsystem für Risikogruppen

Die Mediziner haben stattdessen einen anderen, möglicherweise effektiveren Vorschlag, um auf die Corona-Infektionen angemessen reagieren zu können. Sie wollen die Strategie auf eine Art Frühwarnsystem umstellen, bei dem der Fokus auf die verschiedenen Alters- und Risikogruppen ausgerichtet ist. Dabei müsse man auf "intensive Maßnahmen der Infektionsprävention" von älteren und kranken Menschen setzen. Gleichzeitig sollen weniger gefährdete Menschen unter weniger Einschränkungen zu leiden haben, dazu gehören beispielsweise Schulkinder.

Gezieltere Maßnahmen, abhängig von der Corona-Situation

Es sei offenbar ein "großer Unterschied", ob bei einer Inzidenz von 50 Infizierten pro 100.000 Einwohnern in 7 Tagen alle über 80-Jährigen durchgeimpft seien und sich nur Kinder ohne Symptome unter den Erkrankten befänden. Abhängig von diesem Frühwarnsystem müsse die Politik dann andere Maßnahmen ergreifen, als wenn sich nur Menschen aus einer Risikogruppe infiziert hätten. So könne man viel gezielter auf unterschiedliche Corona-Situationen reagieren. Auch Basis des generellen Inzidenzwertes könne man solche situationsbedingten Entscheidungen deutlich schlechter treffen. Mit einer Strategieänderung ließen sich einerseits stark gefährdete Gruppen besser schützen, andererseits könne man weniger bedrohten Menschen aber auch mehr Freiheiten gewähren.