Antidepressivum: Potenzielles Coronamedikament

Das Medikament Antidepressivum Fluvoxamin zeigte erste Erfolge bei der Behandlung von Covid-19. Das Antidepressivum soll bei einigen Fällen geholfen haben, das Risiko, dass Patienten im Krankenhaus behandelt werden müssen, zu verringern. 

Ein Notfallarzt bringt eine Person, die an Covid-19 erkrankt ist, zur Intensivstation.
Ein Notfallarzt bringt eine Person, die an Covid-19 erkrankt ist, zur Intensivstation.

Laut dem Fachjournal "The Lancet" zeige eine Studie, dass das Medikament Fluvoxamin bei Risikopatienten, bei denen Covid-19 bereits in einem frühen Stadium diagnostiziert wurde, positiv angeschlagen haben soll. 

Medikament gegen Depressionen und Zwangsstörungen

Das Antidepressivum ist ursprünglich ein Medikament, was zur Behandlung gegen Depressionen und Zwangsstörungen eingesetzt wird. Fluvoxamin ist ein selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, kurz SSRI. Da das Medikament entzündungshemmende Eigenschaft habe, könne es als ein mögliches Medikament gegen Covid-19 eingesetzt werden. Die Co-Autorin der Studie, Angela Reiersen, sagte: "Fluvoxamin kann die Produktion von Entzündungsmolekülen, sogenannten Zytokinen, reduzieren, die durch eine Sars-CoV-2-Infektion ausgelöst werden kann".

Weniger Krankenhausaufenthalte

In der Studie seien 1497 Patientinnen und Patienten, die mit Covid-19 erkrankt sind, eingebunden worden. Von den Patienten und Patientinnen erhielten knapp die Hälfte das Medikament Fluvoxamin. Nur 79 Personen seien trotz der Medikamentenvergabe weiterhin im Krankenhaus behandelt worden. In der Kontrollgruppe, die lediglich ein Placebo erhalten haben sollen, seien es 119 von 756 Patienten und Patientinnen gewesen. 

Größte Studie mit Fluvoxamin

Die Lancet-Studie ist die aktuell größte Studie zur Untersuchung der Wirksamkeit des Antidepressivums Fluvoxamin. Mit der Together-Studie ist die Lancet-Studie Teil einer Plattform, die Untersuchungen für verschiedene potenzielle Covid-19-Behandlungen führt. Hierbei solle sich auf Hochrisikopatienten, die ambulant behandelt werden, konzentriert. Das Mittel Fluvoxamin sei das erste Medikament, dass in der Studie getestet wurde.

Testung an Erwachsenen aus Brasilien 

Das Medikament Fluvoxamin sei an erwachsenen Menschen aus Brasilien getestet worden sein. Die getesteten Personen seien alle ungeimpft und positiv auf Covid-19 getestet worden. Alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Studie seien laut Angaben symptomatisch und wiesen mindestens ein zusätzliches Kriterium für ein hohes Risiko und damit einen schweren Verlauf auf. Die Beobachtung der Studienteilnehmer und Teilnehmerinnen nach der Behandlung lief über 28 Tage. 741 der erkrankten Personen sollen zehn Tage lang zweimal am Tag 100 Milligramm des Antidepressivum Fluvoxamin erhalten haben. Die weiteren 756 Personen seien nur mit dem Placebo behandelt worden. 

Weniger Todesfälle

Die Studienergebnisse sollen zeigten haben, dass rund zehn Prozent der Patientinnen und Patienten, die mit dem Mittel Fluvoxamin behandelt wurden, danach noch mehr als sechs Stunden in einer spezialisierten Notfalleinrichtung für Covid-19-Erkrankte oder einem Krankenhaus ärztlich behandelt werden mussten. Aus der Kontrollgruppe seien es 15,7 Prozent der Erkrankten gewesen. Die Studie habe nicht den Bezug zur Sterblichkeit untersucht. Die Autorinnen und Autoren der Lancet-Studie betonen dennoch, dass es in der Fluvoxamin-Gruppe im Gegensatz zu zwölf Todesfällen in der Placebo-Studie nur zu einem Todesfall gekommen sei. 

Weiterhin auf der Suche nach wirksamen Therapien 

Einer der Hauptprüfer der Lancet-Studie, Edward Mills von der McMaster University, äußerte sich zu den Ergebnissen:" Die jüngsten Impfentwicklungen und -kampagnen haben sich als wirksam und wichtig erwiesen, um die Zahl neuer symptomatischer Fälle, Krankenhauseinweisungen und Todesfälle aufgrund von Covid-19 zu reduzieren". Trotz der erfolgreichen Lancet-Studie sind weiterhin vor allem kostengünstige und weitverbreitete Therapien notwendig. "Covid-19 stellt jedoch immer noch ein Risiko für Menschen in Ländern mit geringen Ressourcen und begrenztem Zugang zu Impfungen dar.", betont Mills.