Niedersachsen: Arzt behandelte trotz Corona-Symptome

In Vechta ist ein Corona-Ausbruch auf einen Hausarzt zurückzuführen. Das ergab eine Untersuchung des niedersächsischen Krisenstabs. Der Arzt habe Patienten untersucht, obwohl er eindeutige Corona-Symptome zeigte.

Close-up view of hand woman doctor holding blue clipboard and reading something. Healthcare and medical concept
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In Goldenstedt im Landkreis Vechta sorgt ein Hausarzt für Aufsehen. Dieser hat mehrfach gegen Hygienemaßnahmen verstoßen: Er verzichtete des Öfteren auf das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes und ignorierte Symptome, die eindeutig auf eine Corona-Erkrankung verwiesen. Nun hat die Staatsanwaltschaft Oldenburg die Ermittlungen gegen den Mediziner aufgenommen. Der Tatverdacht: Körperverletzung.

"Da fällt einem nicht mehr viel zu ein"

Am vergangenen Mittwoch ist im Landkreis Vechta der Inzidenzwert auf über 200 sprunghaft angestiegen. Nach ersten Stichproben verhärtet sich der Verdacht, dass der Hausarzt maßgeblich zu dieser Zahl beigetragen hat. Er könnte dutzende Patienten angesteckt haben. Das Gesundheitsamt untersucht aktuell 200 Menschen, die in den letzten Wochen vom vermeintlichen Täter behandelt worden waren. Krisenstabsleiter Heiger Scholz äußerte nicht ohne Entsetzen: "Da hat ein Hausarzt weiter behandelt, obwohl er Symptome hatte. [...] Da fällt einem nicht mehr viel zu ein."

Ein Sprecher des Landkreises bestätigt die Vorwürfe und geht weiter ins Detail. So handle es sich um eine Praxis in Goldenstedt, die im Januar bereits vorübergehend wegen Hygienemängel geschlossen wurde. Ob der Arzt Menschen angesteckt hat, könne nicht mit Gewissheit gesagt werden. "Eine Kausalität ist nur schwer feststellbar", konstatierte der Sprecher.

Er könnte seine Approbation verlieren

Wird der behandelnde Arzt trotz dessen verurteilt, ist seine Approbation gefährdet. Hierzu Heike Meyer-Wrobel, die Geschäftsführerin des Niedersächsischen Zweckverbandes zur Approbationserteilung: "Nach der aktuellen Rechtsprechung ist die Unwürdigkeit zur Ausübung des ärztlichen Berufs anzunehmen, wenn der Arzt durch sein Verhalten nicht mehr das zur Ausübung des ärztlichen Berufs erforderliche Vertrauen und Ansehen besitzt."

Medienberichten zufolge habe es in den letzten Monaten immer wieder Beschwerden über Ärzte gegeben, die Corona-Maßnahmen nicht einhielten. Dabei solle es sich aber um Einzelfälle handeln. Diese seien aber strikt zu verurteilen, meint Thomas Spieker, Sprecher der Landesärztekammer. Ein erkrankter Arzt gefährde nicht nur die Gesundheit der Patienten, sondern auch seine eigene. Eine Praxis sei kein Ort für "politische Agitation."