Das passiert mit der Kirchensteuer

Jeder hat schon von der Kirchensteuer gehört - doch nicht alle wissen, was damit eigentlich geschieht. Wo fließt das Geld hin? Welche Projekte werden davon finanziert? Und wer muss sie bezahlen? Ein Überblick!

Crucifix with a cross lying on the book with euro banknotes in the background
Was passiert eigentlich mit der Kirchensteuer? (Symbolbild: Getty Images)

Auf der Lohnabrechnung gibt es so einige Abzüge, die den Nettobetrag schmälern. Neben der Lohnsteuer gehen vom Bruttogehalt auch noch diverse Lohnnebenkosten ab, also die vorgeschriebenen Beiträge zur Kranken-, Pflege-, Renten-, Arbeitslosen- und Unfallversicherung. Ein weiterer Posten, der vom Gehalt abgezogen wird, ist die Kirchensteuer. Diese muss grundsätzlich jeder bezahlen, der Geld verdient, seinen Hauptwohnsitz in Deutschland hat und einer Mitglied einer religiösen Gemeinschaft ist, welche den Kirchensteuereinzug über den Staat abwickelt – wie etwa die katholische Kirche. 

Der aktuelle Höhe der Kirchensteuer liegt für 2022 je nach Bundesland bei 8 bis 9 Prozent vom Einkommen. 

Wofür wird die Kirchensteuer genutzt?

Doch was geschieht eigentlich mit diesem Geld, das die Kirchen dadurch einnehmen? Oftmals wird unterstellt, dass damit vor allem kostspielige oder gar luxuriöse bauliche Maßnahmen finanziert werden. 

A papier mache figure for a carnival float depicting Bishop Franz-Peter Tebartz-van Elst of Limburg is pictured during preparations for the upcoming Rose Monday carnival parade in Mainz February 25, 2014. Tebartz-van Elst reaped stiff criticism from German Catholics and the title
Im Karneval 2014 wurde der verschwenderische Umgang mit Geld durch den Limburger Bischof auf Karnevalswagen thematisiert (Bild: REUTERS)

Besonders bekannt ist der Fall des ehemaligen Bischofs von Limburg, Franz-Peter Tebartz-van Elst. Dieser wurde 2013 als "Protz-Bischof" bekannt, weil beim Bau der neuen Bischofsresidenz in Limburg ein Millionenbetrag entstand – und das nicht zuletzt aufgrund der zahlreichen Sonderwünsche des Bischofs, der mit extravaganten Wünschen für seine Dienstwohnung, wie einer Dusche und Badewanne für 30.000 Euro, für einen Skandal sorgte. Doch wie "swr.de" aufklärt, umging oder missachtete der Bischof damals Vorschriften zur Verwendung von Kirchenvermögen. Denn natürlich soll die Kirchensteuer anderen Zwecken dienen. Die Ausgaben dafür werden zu 80 Prozent von der Kirchensteuer gedeckt. Doch wo fließt das Geld denn nun hin?

So werden 100 Euro Kirchensteuer verteilt

Auf "br.de" gibt es eine Auflistung, die zeigt, wie 100 Euro Kirchensteuer genau verteilt werden. Ein Großteil davon geht demnach an Pfarreien und Gemeinden, um seelsorgerische Angebote wie Gottesdienste, Jugend- oder Seniorenarbeit anbieten zu können. Von 100 Euro Kirchensteuer gehen 45,68 Euro dorthin. 

Der zweitgrößte Anteil, nämlich 28,12 Euro, geht dann an kirchliche Kindergärten und Schulen. An dritter Stelle steht die finanzielle Unterstützung für soziale Verbände wie die Diakonie oder die Caritas. Dort finden nicht nur Familien, Frauen und Kinder Hilfe, sondern auch Obdachlose oder behinderte Menschen.

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Der Rest der 100 Euro verteilt sich schließlich auf weitere Bereiche wie die Verwaltung, oder landet in Fonds für Missionsprojekte oder Entwicklungshilfe im Ausland. Auch die Kosten für die Erhebung der Kirchensteuer müssen beglichen werden, denn diese Aufgabe übernimmt der Staat für die Kirchen. 

Übrigens: In der Steuererklärung kann man die bereits bezahlte Kirchensteuer als Sonderausgabe absetzen.

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