Der Corona-Lockdown habe nichts gebracht

Die Corona-Zahlen in Deutschland sind immer noch hoch: 19.600 Neuinfektionen und 1.060 Tote binnen 24 Stunden. Trotz monatelangem Lockdown scheinen die Zahlen nicht zu sinken. Sogar neue Virusmutationen aus anderen Ländern machen sich breit. Woran liegt das?

BERLIN, GERMANY - MARCH 26: Chairman of the Board of the Federal Association for Statutory Health Insurance Physicians (KBV) Andreas Gassen speaks during a press conference at the house of the federal press conference (Bundespressekonferenz) on 26 March, 2020 in Berlin, Germany.  German Health Minister Jens Spahn and medical experts informed about the latest status on how to control the spreading of the SARS-CoV-2 coronavirus causing the COVID-19 disease. (Photo by Clemens Bilan - Pool/Getty Images)
Photo by Clemens Bilan - Pool/Getty Images

Bundeskanzlerin Angela Merkel fordert acht bis zehn Wochen harte Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie. Doch die Chefs der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) bemängeln die Wirksamkeit des Lockdowns. Der Vorstand Andreas Gassen äußerte sich der BILD gegenüber:

„Der Lockdown, der jetzt seit Anfang November anhält, hat quasi nichts gebracht. Die Todeszahlen sind unverändert erschreckend hoch. Der Schutz der Risikogruppen ist immer noch beschämend schlecht.“

Sein Vorstands-Vize Stephan Hofmeister sieht die Mängel in der Kommunikation der Regierung. Einen Unterschied würde nicht die Härte der Maßnahmen machen, sondern das private Verhalten der Menschen. Wenn die Regierung immer wieder die Regeln und Zeitrahmen ändere, bräuchten sie sich nicht wundern, dass sich keiner daran hält.

Das Sieben-Tage-Inzidenz-Ziel sei absurd

Andreas Gassen hält das schnelle Erreichen des Regierungsziels – die Sieben-Tage-Inzidenz von 50 Infektionen pro hunderttausend Einwohner – für völlig unrealistisch. Eine Forderung nach einer noch niedrigeren Zahl wie etwa 25 oder sogar sieben verstehe er in der aktuellen Situation nicht.

Ende Oktober hatte die KBV gemeinsam mit den Virologen Prof. Christian Streeck und Jonas-Schmidt-Chanasit die Regierung dazu aufgerufen, statt auf Inzidenz- und Lockdown-Strategie eine langfristigere Strategie zu entwickeln. Diese soll konsequent die Alten schützen. Und doch kommt zehn Wochen später immer noch der Großteil der Corona-Toten aus Alten- oder Pflegeeinrichtungen. Andres Gassen bemängelt, dass der Schutz der Alten kategorisch als abwegig abgelehnt wurde:

„Man könne nicht ein Drittel der Menschen einsperren, darum ging es auch nie - jetzt sperrt man quasi alle ein, ohne dass es einen echten Effekt hätte.“

Die KBV sieht als einzigen Weg aus der Pandemie das Impfen. Doch der endlich zur Verfügung stehende Impfstoff reiche noch nicht für alle Heimbewohner und Pfleger.