Frau heiratet sich selbst: Fall von "Sologamie" beschäftigt Indien

Monogamie, Polyamorie, Homosexualität, Bisexualität – wenn es um die Liebe geht, gibt es viele Formen, sie zu leben und auszudrücken. Für viele Menschen mündet sie in eine Ehe. So auch für eine 24-Jährige aus Indien. Doch sie interpretiert die Idee von "Ehe" nochmals ganz anders.

Eine Inderin will heiraten – aber anders als
Eine Inderin will heiraten – aber anders als "gewohnt" (Symbolbild: Getty Images)

Kshama Bindu plant ihre Hochzeit. Die Inderin wird am 11. Juni 2022 in Vadodara heiraten. Nach der Trauung, einem hinduistischen Ritual, das den ganzen Tag dauern wird, steht für die 24-Jährige Soziologie-Studentin und Bloggerin eine Reise nach Goa an – für die Flitterwochen.

Bis hierhin klingt das alles nach einer "üblichen Hochzeit", über welche BBC berichtet. Doch ein Element, das für eine Hochzeit eigentlich unabdingbar ist, fehlt in Kshama Bindus Fall: Denn sie hat keinen Verlobten. Und auch keine Verlobte. Kshama Bindu wird sich selbst heiraten.

Diese Form der Liebe wird als "Sologamie" bezeichnet, oder auch als "Selbstheirat".

"Ich möchte Sologamie normalisieren"

Wie sie verrät, hat sie eine besondere Entscheidung getroffen. Indem sie sich selbst heiratet, will sie ihr Leben der Selbstliebe widmen. Und sie erklärt: "Für mich ist diese Heirat wirklich eine tiefe Form von Selbstakzeptanz. Was ich sagen will ist, dass ich mich selbst akzeptiere – alles an mir, selbst die Anteile, die nicht schön sind."

Und sie hat noch eine Botschaft für die Welt: "Ich möchte Sologamie normalisieren. Ich möchte Menschen sagen, dass man allein in diese Welt kommt und sie auch alleine wieder verlässt. Wer sollte dich also mehr lieben können, als du selbst? Wenn du fällst, bist du es, der dich wieder aufbauen muss."

Kritik an Konzept der "Sologamie"

Von ihrer Familie und ihren Freunden wird Kshama Bindu unterstützt. Sie werden ihren besonderen Tag mit ihr gemeinsam feiern. Doch längst nicht jeder ist von dem Plan der 24-Jährigen begeistert. Die ehemalige Psychologie-Professorin Dr. Savita Malhotra sagte dazu, dass sie die Sologamie für ein seltsames Konzept halte, denn jeder habe Selbstliebe, und man müsse sie nicht ein äußeres Konstrukt erschaffen, um sie zu demonstrieren. Und sie gibt zu bedenken, was eine Heirat eigentlich bedeutet: "Bei der Ehe geht es darum, dass zwei Einheiten sich verbinden", so Malhotra.

Auch in den Sozialen Medien wurde die Entscheidung der jungen Frau natürlich diskutiert und laut BBC von manchen kritisiert, etwa als "bizarr" oder "traurig" – oder gar als Narzissmus. Ein Vorwurf, der bezüglich dieser Form der Ehe öfter laut wird. Narzissmus ist eine extreme Form von Selbstverliebtheit und Selbstbewunderung mit einem übersteigerten Bedürfnis nach Anerkennung.

Wirklich neu ist die "Sologamie" aber nicht, zum Trend wurde sie jedoch seit der Kult-Serie "Sex and the City". Vor 20 Jahren nämlich heiratete sich beliebte Protagonistin "Carrie Bradshaw" in der Serie selbst – und das Konzept fand begeisterte Anhänger.

"Carrie Bradshaw" beschloss in einer Folge der Serie, sich selbst zu heiraten (Symbolbild: Getty Images)
"Carrie Bradshaw" beschloss in einer Folge der Serie, sich selbst zu heiraten (Symbolbild: Getty Images)

Die Gründe für die Selbstheirat können unterschiedlich sein. So versuchen manche damit zu zeigen, dass es für Glück keinen anderen Menschen braucht, dass man sich nach einer schmerzhaften Trennung ganz auf sich konzentriert – und manche wollen einfach ein Hochzeit erleben, ohne auf den "Richtigen" warten zu müssen.

Auch Promis folgten dem Trend bereits, wie Model Adriana Lima 2017: "Der Ring? Er ist symbolisch, ich bin mir und meinem eigenen Glück verpflichtet. Ich bin mit mir selbst verheiratet. Ladys, liebt euch selbst."

Mehr als ein symbolischer Akt ist die Sologamie letztlich aber nicht. In Deutschland ist sie zugelassen, rechtlich aber nicht anerkannt – sie bringt also, anders als die "übliche" Ehe, auch keine steuerlichen Vorteile.

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