Impfung: Wirken inhalierte Impfstoffe besser als gespritzte?

Nasensprays sind eine gute Alternative zu gespritzten Impfstoffen. Bisher gibt es allerdings nur einen intranasalen Impfstoff, der gegen Covid-19 wirkt – und das auch nur bei Kindern. Die neue Hoffnung liegt auf Impfstoffen, die inhaliert werden.

Ein neuer Corona-Impfstoff zum Inhalieren wird derzeit getestet (Bild: Fraunhofer ITEM, Felix Schmitt)
Ein neuer Corona-Impfstoff zum Inhalieren wird derzeit getestet (Bild: Fraunhofer ITEM, Felix Schmitt)

Wissenschaftler*innen weltweit sind auf der Suche nach einem wirksamen Impfstoff gegen das Coronavirus SARS-CoV-2. In Hannover arbeiten Forschende der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und des Fraunhofer ITEM an einem Vakzin, das nicht gespritzt, sondern eingeatmet wird. Und auch Forscher*innen der McMaster University in Kanada haben sich genauer angesehen, was geschieht, wenn man einen Impfstoff inhaliert. Doch wirken inhalierte Impfstoffe wirklich besser als gespritzte?

Ja, behaupten die Forscher*innen. Denn durch die Inhalation gelangt der Impfstoff genau dorthin, wo das Virus besonders heftig zuschlägt: die Lunge. Erste Inhalations-Impfstoffe für Masern als auch Tuberkulose und Covid-19 werden bereits in frühen klinischen Studien an Menschen getestet. Bei den Tuberkulose-Impfstoffen hat sich im Vergleich mit gespritzten Stoffen gezeigt: Im Gegensatz zur Spritze machen die inhalierten Impfstoffe Atemwegsschleimhäute fit für den Angriff durch Mycobacterium tuberculosis.

Aerosol-Impfstoffe zum Inhalieren noch in Testphase

Eine klinische Studie, die im Clinical Research Center Hannover (CRC Hannover) durchgeführt wird, soll nun Erkenntnisse darüber liefern, ob und wie stark das eingeatmete Vakzin das Immunsystem dazu anregt, Antikörper zu produzieren, die vor der Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus schützen. Bei dem Impfstoff handelt es sich um einen Vektorimpfstoff auf der Basis eines genetisch stillgelegten Pockenvirus. Im Fachjargon wird von einem "modifizierten Vakzinia Virus Ankara“, kurz MVA, gesprochen.

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Und auch Wissenschaftler*innen der McMaster University in Kanada testen derzeit Aerosol-Impfstoffe, die inhaliert werden. Für die Studie verwendeten sie einen Tuberkulose-Impfstoff und maßen die Verteilung der Tröpfchen, die Immunreaktion und die Wirksamkeit bei Mäusen.

Aerosol-Impfstoffe wirken dort, wo sie sollen

Wie die Forscher*innen in Hannover kamen die Wissenschaftler*innen der McMaster-University zum Schluss, dass Impf-Nasensprays vor allem dort wirken, wo sie ankommen: in der Nase und im Rachenraum. Die inhalierten Impfstoffe jedoch dringen tief in die Lunge hinein, dort, wo sich die schweren Verläufe der Infektion auch abspielen. Damit können auch deutlich stärkere Immunantworten auf den Impfstoff erzielt werden als mit einer Vakzin, die sich in den oberen Atemwegen ausbreitet.

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Wie gut die Schleimhäute die Impfstoffe aufnehmen können, wie stark die durch die Impfung ausgelöste T-Zell-Immunität ist und welchen Schutz diese langfristig bietet, soll in zukünftigen Studien noch geprüft werden. Die kanadische Universität untersucht in einer klinischen Studie derzeit auch einen Impfstoff gegen das Coronavirus. Er wird derzeit noch in der ersten Phase an Menschen getestet und soll als Auffrischungsimpfung nach zwei oder drei Impfungen mit injizierten mRNA-Impfstoffen dienen.

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