Japan: Babys "arbeiten" in Altenheim

Immer mehr Senioren vereinsamen in Altenheimen, weil sie entweder keine Angehörigen mehr haben oder diese zu weit weg wohnen, um sie regelmäßig zu besuchen. In einem japanischen Pflegeheim werden deshalb Babys "eingestellt“, die für Aufmunterung unter den Bewohnern sorgen sollen – mit Erfolg!

Viele Menschen in Altenheimen leiden unter der Einsamkeit – Babys sollen das ändern (Symbolbild: Getty Images)
Viele Menschen in Altenheimen leiden unter der Einsamkeit – Babys sollen das ändern (Symbolbild: Getty Images)

Der demografische Wandel ist auch in Deutschland längst ein Problem, die Zahl der alten Menschen übertrifft die Zahl der jungen bei Weitem. Laut destatis.de ist jede zweite Person in Deutschland heute älter als 45 und jede fünfte Person älter als 66 Jahre. Auch in Japan ist die Überalterung gestiegen – und dementsprechend auch die Anzahl der Bewohner in Pflegeheimen. Glaubt man der japanischen Regierung, hat sich die Zahl der Menschen in Altenheimen zwischen 2005 und 2020 auf 1,8 Millionen mehr als verdoppelt.

Wie die New York Times berichtet, hat die Einrichtung Ichoan Nursing Home in Kitakyushu, einer Stadt mit 940.000 Einwohnern, nun einen Weg gefunden, seinen Senioren Freude zu bereiten: "Baby Worker“, wie die Leiterin des Pflegeheims sie nennt. Bisher sind es 32 Kinder, alle unter vier Jahre alt. Ihre Aufgabe: zwischen Rollatoren und Stühlen herumzukrabbeln und die Bewohner des Hauses aufzuheitern. Ihre Belohnung: Windeln, Babynahrung, kostenlose Baby-Fotoshootings und Coupons für ein nahe gelegenes Café. Vor allem Senioren, deren Familienangehörige weit entfernt wohnen, freuen sich über den Besuch der "Mini-Arbeiter“.

Babys fördern die Gesundheit der Bewohner

Die älteste Bewohnerin im Seniorenheim ist 101. Wenn die Babys das Altenheim besuchen, gibt es keine Verpflichtungen: Sie können tun, was sie möchten, werden niemandem gegen ihren Willen auf den Schoß gesetzt und können bleiben, wie lange sie wollen. Beaufsichtigt werden die Babys und Kleinkinder meist von der Mutter. Das Projekt soll dank der ausgeschütteten Glückshormone nicht nur die Gesundheit der Bewohner fördern, sondern auch die Mütter entlasten.

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"Ich sehe meine Enkelkinder nicht sehr oft, also sind die Babyarbeiter eine große Bereicherung“, sagte Kyoko Nakano, 85, beispielsweise gegenüber der New York Times. Sie lebt seit über einem Jahr im Pflegeheim, strickt und sieht gerne fern. Wenn die Babys kommen, lässt sie alles stehen und liegen, um Zeit mit ihnen zu verbringen. "Sie sind einfach so süß und machen den ganzen Ort heller“, so Nakano. "Junge Energie ist anders.“

Studien zeigen, dass soziale Interaktion für weniger Einsamkeit, niedrigeren Blutdruck und ein geringeres Krankheits- und Sterberisiko bei älteren Menschen sorgt. Auch würde der Austausch über Generationen hinweg ältere Menschen zum Lachen und zum Sprechen bringen. Und auch auf die Kinder sollen sich die Interaktionen positiv auswirken: Denn sie fördern die soziale und persönliche Entwicklung.

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