Kardinal sieht keine Straftat bei Sex-Skandal mit Minderjährigem

Skandale um sexuelle Handlungen mit Minderjährigen in der katholischen Kirche gab es bereits mehrere. Die Institution beteuert, Fälle von möglichem sexuellen Missbrauch oder sexueller Nötigung zu verfolgen und aufzuklären. Die jüngste Stellungnahme des Kardinals Rainer Woelki und des Erzbistums zu einem dieser Fälle löste jedoch einen Aufschrei in den Medien aus.

PAPST JOHANNES PAUL II / Papst Johannes Paul II bei seinem Besuch in München,1987. (Photo by kpa/United Archives via Getty Images)
Papst Johannes Paul II. hatte das Kirchenrecht kurz vor der Tat 2001 verschärft. (Photo by kpa/United Archives via Getty Images)

Keine Straftat?

Denn Woelki und das Erzbistum vertreten offenbar die Meinung, dass im Falle eines Priesters, der im Jahr 2001 gemeinsam mit einem 16-jährigen Obdachlosen masturbierte, keine Straftat vorliege. Stattdessen habe es sich um einen "einvernehmlichen sexuellen Kontakt" gehandelt. Die Bild-Zeitung wiederum hatte im Zusammenhang mit dem Fall mehrfach von einem "Missbrauch" und einer "Straftat" geschrieben. Wie der Sprecher des Kardinals weiter ausführte, liege nicht automatisch "das Ausnutzen einer Zwangslage" vor, weil der Junge ein Obdachloser sei. 

Änderung im Kirchenrecht

Laut der Bild handle es sich bereits rein kirchenrechtlich um einen Strafbestand, da Papst Johannes Paul II. am 30. April 2001, noch vor dem fraglichen Vorfall, eine kirchliche Regelung erließ, nach der jede Missachtung des sechsten Gebotes gegenüber Minderjährigen von Seiten des Kirchenpersonals eine Straftat darstellt. Dass sexuelle Handlungen eines Geistlichen gegenüber eines 16-jährigen Schutzbedürftigen moralisch mehr als fragwürdig sind, steht dabei außer Frage.