Krümmungsblindheit: die optische Täuschung erklärt

Dass sich unsere Augen durch verschiedene optische Effekte täuschen lassen, ist schon lange bekannt, Forscher machen immer wieder neue Beobachtungen darüber, was das menschliche Seh-Organ aus dem Konzept bringt. Einer von ihnen ist der Psychologe Kohske Takahashi aus Japan.

Takahashi entdeckte ein bisher unbekanntes Phänomen, welches er "Curvature Blindness", zu deutsch "Krümmungsblindheit" taufte. In einer Studie zeigte er Probanden verschiedene Variationen von gewellten Linien. Jede dieser Linien wurde an bestimmten Stellen schwarz-weiß eingefärbt, der Hintergrund war entweder schwarz, weiß oder grau.

Der Effekt der Krümmungsblindheit

Bei fast allen Studienteilnehmer konnte Takahashi den gleichen Effekt beobachten: Zeigte er ihnen Linien mit leichter Krümung, deren Färbung sich unmittelbar vor den Tälern und Gipfeln veränderte auf grauem Hintergrund, kamen ihnen diese Linien spitz bzw. eckig und nicht gerundet vor. Um das Phänomen besser darstellen zu können, entwickelte er die Grafik, die im Video zu sehen ist. In der Mitte wechseln sich unterschiedlich gefärbte Linien auf grauem Hintergrund ab, die einen wirken gerundet, die anderen eckig. Links und rechts finden sich die gleichen Linien, allerdings auf schwarzem, bzw. weißem Hintergrund. In beiden Fällen sehen die Linien jedoch abgerundet aus.

Wann Krümmungsblindheit auftritt

Doch woran liegt das? Takahashi stellt in seiner Studie einige Vermutungen dazu auf: Auffällig ist, dass der Effekt dann am stärksten ist, wenn die Übergänge von schwarz auf weiß genau in der Mitte der Gipfel bzw. Täler liegen. Dadurch entstehe der Eindruck, es handle sich um zwei gerade Linien. Zudem verstärke der graue Hintergrund den Kontrast zwischen den Färbungen, was den Effekt begünstige. 

Was steckt dahinter?

Takahashi entwickelt daraus die Hypothesen, dass die "Mechanismen für die sanfte Kurvenwahrnehmung und die der stumpfen Eckenwahrnehmung unausgewogen miteinander konkurrieren" sowie dass für unser Gehirn die Eckenwahrnehmung gegenüber der Kurvenwahrnehmung "dominieren könnte". 

Ein möglicher Grund dafür, warum unser Denkapparat Rundungen mit bestimmten Färbungen also nicht mehr als Rundungen, sondern als Ecken verarbeitet, könne die Zunahme von Ecken und Kanten in unserer Umgebung sein. Der von Menschen geschaffene Lebensraum hat viel mehr davon als die Natur. Vielleicht haben wir unsere Augen und unser Gehirne also über viele Generationen darauf konditioniert, die Wahrnehmung von Winkeln höher zu priorisieren als die Wahrnehmung von Rundungen.

Mehr Infos und das Bild zeigt das Video.