Lauterbach: "Wir können keine Herdenimmunität erreichen"

Karl Lauterbach (SPD) war bei maischberger. die woche zu Gast und sprach über seine Einschätzung der aktuelle Corona-Lage und seine Meinung zur Impfpflicht. Dabei stellte er eine drastische Prognose.

„Die Delta-Variante ist so ansteckend, dass wir realistischerweise gar keine Herdenimmunität jemals noch erreichen können", sagt Karl Lauterbach zu Moderatorin Sandra Maischberger, sein Blick ist ernst. Der Gesundheitsexperte der SPD zeigt sich in der Talkshow davon überzeugt, dass sich in den nächsten 18 Monaten alle Ungeimpften in Deutschland mit dem Coronavirus infizieren werden, Kinder eingeschlossen. Demnach ließen sich die Menschen dann in zwei Lager einteilen: die Geimpften und die Infizierten bzw. die "hoffentlich Genesenen".

Hauptfaktor Delta-Variante

Hauptbegründung für diese Zukunftsprognose ist die voranschreitende Verbreitung der hochansteckenden Delta-Variante. Mit dieser Version des Virus infizierte Menschen würden bis zu "1000 mal so viel Virus ausatmen" wie ein Infizierter mit der Alpha-Variante. Bei einer derart hohen Ansteckungsgefahr gehen führende Wissenschaftler Lauterbach zufolge davon aus, dass auch der Impfschutz unserer derzeit besten Impfstoffe nicht ausreichen wird, um eine Herdenimmunität zu erzeugen. 

Macht eine Impfung dann überhaupt noch Sinn? 

Lauterbach erklärt in seinem Gespräch mit Maischberger auch, dass, dem neuen Kenntnisstand zufolge, ein Geimpfter mit Impfdurchbruch etwa so ansteckend sei wie ein Ungeimpfter. Die Impfstoffe verringern die Ansteckungsgefahr demnach massiv. Darüber hinaus empfiehlt Lauterbach die Impfung, da sie die Wahrscheinlichkeit eines schweren Verlaufs deutlich reduziert.

Das sagt Lauterbach zur Impfpflicht

Eine Impfpflicht hält Lauterbach unter diesen Voraussetzungen jedoch offenbar nicht für den richtigen Weg: Für eine verpflichtende Impfung in Deutschland seien "überragende" Gründe notwendig. Wenn Ungeimpfte weiterhin bereit seien, sich testen zu lassen und andere damit zu schützen, hätten sie ein Recht auf Selbstbestimmung in der Impf-Frage. Folgerichtig spricht Lauterbach sich auch für eine Fortsetzung der bisherigen Test-Routine aus. Aktuelle Studien seien zu dem Ergebnis gekommen, dass Schnelltests sich für den Nachweis der Delta-Variante bewährt hätten.

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