VW will mit neuem e-Golf den Markt für E-Autos erobern

Der neue e-Golf von VW soll Autos mit Elektroantrieb für Käufer attraktiver machen. Geht die Rechnung der Wolfsburger Autobauer auf?

Mehr Reichweite, mehr Leistung, mehr High-Tech: Bereits im Herbst letzten Jahres hat VW den neuen e-Golf der Öffentlichkeit vorgestellt. Ausgerechnet auf der L.A. Auto Show in den USA, wo dem Autobauer wegen der Tricksereien bei der Steuerung seiner Dieselmotoren Strafzahlungen in Milliardenhöhe ins Haus stehen.

Mit dem e-Golf will der Konzern, der 2016 Toyota als größter Autobauer der Welt überholt hat, sein geschundenes Image aufbessern. Zumal VW – wie die gesamte deutsche Automobilindustrie – den Einstieg in das Elektrozeitalter lange verschlafen hatte.

Das soll sich jetzt ändern. Parallel zur Präsentation des neuen e-Golfs stellte VW im November 2016 unter dem Titel „Transform 2025+" auch eine neue Unternehmensstrategie vor. Sie soll, nach Aussage von Marken-Chef Herbert Diess, „der größte Veränderungsprozess in der Geschichte der Marke" werden. Ihre wichtigsten Punkte: Digitalisierung und Elektromobilität.

Als ein Ergebnis dieser neuen Ausrichtung kommt in diesem Frühjahr der neue e-Golf zu den Händlern. Von seinem Vorgänger, dem 2014er-Modell, unterscheidet ihn mehr als der Facelift, den der Golf 7 allgemein erhalten hat. Die Wolfsburger Ingenieure wollten dem e-Golf ein technisches Update verpassen, das dem Elektroauto zu mehr Praxistauglichkeit und Attraktivität verhilft.

Tatsächliche Reichweite wächst um ein Drittel

Wichtigste Neuerung: Die Reichweite wurde erheblich erhöht – offiziell auf 300 Kilometer gemäß der Messung nach dem Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ). Da die Erfahrungen des Dieselskandals den Konzern vorsichtig gemacht haben, ist diese Zahl mit dem Hinweis versehen, dass die „tatsächliche Reichweite" auch darunterliegen könne. Je nach Fahrweise, Streckenprofil und Temperatur.

Erste Tests zeigen, dass der neue e-Golf in der Praxis mit einer Reichweite von „gut" 200 Kilometern zwar deutlich niedriger liegt als die Werbung glauben machen will. Im Vergleich zu seinem Vorgänger, den der ADAC bei rund 145 Kilometer sieht, ist er mit diesem Wert jedoch sehr gut positioniert.

Allerdings wissen die Marketing-Experten von VW, dass dieser Schritt vielen Kunden nicht reichen wird und spendieren Käufern in den ersten 2 Jahren jeweils an 30 Tagen pro Jahr einen Leihwagen – selbstverständlich mit Benzinantrieb. Damit ist zumindest die Fahrt in den Urlaub sichergestellt.

Auch an der Preisschraube hat der Konzern gedreht: So kostet die Grundausstattung jetzt 35.900 Euro, das sind 1000 Euro mehr als beim 2014er-Modell. Dafür bekommt der Käufer etwa 20 PS mehr Leistung und eine sehr hochwertige Serienausstattung mit Infotainment-Konsole inklusive High-End-Navigationssystem. Wie sich der neue e-Golf damit fährt, zeigt der ausführliche Autotest im Video.
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