Superfoods: Die Schattenseiten eines hippen Ernährungstrends

Ob Chiasamen, Avocado-Frucht, Sojabohnen oder Kokosöl: Wer mit sich mit gutem Gewissen gesund ernähren will, sollte von vielen exotischen Lebensmitteln besser die Finger lassen.


Sie sind – im wahrsten Sinne des Wortes – in aller Munde: Superfoods. Exotischen Früchten und Samen wie Avocado, Quinoa, Amarant oder Chia werden wahre Wunderkräfte zugeschrieben. Und tatsächlich: Viele Superfoods sind sehr gesund. Sie enthalten oft hohe Mengen an Vitaminen, Mineralstoffen oder Enzymen. Ihre pflanzlichen Nährstoffe können eine ausgewogene Ernährung sinnvoll unterstützen.

Superfoods sind längst nicht mehr nur in Bioläden und Reformhäusern zu finden. Heute verkauft auch der Bäcker um die Ecke Brötchen mit Chiasamen. Neben der Fleischtheke im Supermarkt steht ein Kühlregal mit Sojaschnitzeln, eine Auslage preist die Steigerung unserer Abwehrkräfte durch Algenprodukte an. Sogar bei der Fastfood-Kette McDonald's haben vegetarische Burger aus Quinoa Einzug gefunden.

Sozial und ökologisch bedenklich

Die Kehrseite dieses Trends: Viele Superfoods stammen aus fernen Ländern, die der sprunghaft gestiegenen Nachfrage mit allen Mitteln gerecht zu werden versuchen. Das hat für die Anbauländer zum Teil verheerende soziale und ökologische Folgen, die bei der Berichterstattung über die neuen Trend-Produkte oft unter den Teppich gekehrt werden.

Beispiel Quinoa: Das glutenfreie Pseudogetreide aus den Hochlagen der Anden gilt als „Wunderkorn der Inkas". Es ist nicht nur bei Allergikern beliebt, seine cholesterinsenkende Wirkung führte auch zu einer gestiegenen Nachfrage bei Gesundheitsfreaks in Nordamerika und Europa. Die Folge: Der Preis des einstigen Grundnahrungsmittels stieg in Bolivien und Peru so stark an, dass die arme, einheimische Bevölkerung auf industrielle Lebensmittel ausweichen musste.

Auch für die Umwelt sind viele Superfoods gar nicht so super. So sorgte der stark gestiegene Anbau von Mandeln, die als Milchersatz Soja bei vielen Veganern den Rang abgelaufen haben, im US-Bundesstaat Kalifornien für massive Probleme. Ihre Anbaufläche hat sich in nur zehn Jahren vervierfacht. Da für die Produktion einer Mandel etwa vier Liter Wasser benötigt werden, gingen in dem sonnenverwöhnten Bundesstaat im Jahr 2015 die Trinkwasserreserven gefährlich zur Neige.

Greifen Sie lieber auf heimische Alternativen zurück

Eine gesunde Alternative zu den exotischen Superfoods sind einheimische Produkte, die oft besser sind als ihr Ruf. So rät die Verbraucherzentrale dazu, statt Acai-Beeren lieber Holunder- und Heidelbeeren oder Kirschen zu essen. Denn die heimischen Früchte stünden den Exoten aus Südamerika hinsichtlich ihrer antioxidativen Wirkung in nichts nach.
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