Wie gut sind unsere Hausärzte wirklich?

In einer Studie der Verbraucherzentrale Hamburg wurde eine Patientin, die unter ständig anhaltender Müdigkeit litt, zu 28 verschiedenen Hausärzten geschickt.


Auf einer Schulnotenskala von 1 bis 6 sollte die Probandin Ärzte auf unterschiedliche Qualitäten hin bewerten. Kriterien waren vor allem die Anamnese, die Untersuchung, die Diagnose und die Beratung. Außerdem bewertete die Frau die Arzt-Patienten-Beziehung im Erstgespräch.

Vier der Hausärzte, also 15 %, bekamen die Note 1 für ihre ausgezeichnete Arbeit: Sie erfüllten alle Kriterien der Bewertungsskala zur vollen Zufriedenheit der Patientin. Allerdings erhielten ebenfalls 15 % der bewerteten Ärzte die Note 5, weil sie den gesetzten Qualitätsmerkmalen kaum oder gar nicht genügten. 50% der Ärzte lagen im Mittelbereich bei den Noten 2 und 3 und der Rest wurde mit einer ausreichenden 4 benotet.

Grundsätzlich stellte die Test-Patientin einen Unterschied zwischen Allgemeinmedizinern und hausärztlich tätigen Internisten fest. Lediglich ein Drittel der Ärzte bezog die Krankheitsgeschichte der Patientin und ihr psychosoziales Umfeld in ihre Diagnosestellung mit ein. Die Allgemeinmediziner fragten meist schon beim Erstbesuch nach Vorerkrankungen und dem Umfeld der Patientin. Internisten hingegen fokussierten sich hauptsächlich auf die organbezogenen Symptome und schlugen entsprechende weiterführende Untersuchungen vor, die wiederum von keinem Allgemeinmediziner empfohlen wurden.

Ärztinnen schnitten erheblich besser ab

Weiterhin wurden auch geschlechtsspezifische Unterschiede bei der ärztlichen Kommunikation ermittelt. Ärztinnen erkundigten sich vermehrt nach den Lebensumständen, möglichen Belastungen und der bisherigen Krankheitsgeschichte. Medizinerinnen schnitten beim Ärzte-Check der Verbraucherzentrale Hamburg mit einer Durchschnittsnote von 2,3 sehr viel besser ab als ihre männlichen Kollegen, die nur eine 3,7 erhielten.

Die Qualität eines Besuchs beim Hausarzt ließ sich auch anhand der Dauer des Erstgesprächs messen. Ärzte, die sich mehr Zeit für ihre Patienten nahmen, erreichten eine bessere Note. Wer sich zwischen 20 und 45 Minuten Zeit pro Patient genommen hat, lag im Spitzenbereich. Drei der Ärzte schafften es allerdings auch, in 10 bis 15 Minuten eine zufriedenstellende Untersuchung durchzuführen. Mit einer Durchschnittsnote von 3,1 schneiden die Hausärzte dennoch eher mittelmäßig ab.
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