„Pampers"-Hersteller: Innovatives Windel-Recycling

Das US-Unternehmen "Procter & Gamble" hat dem Windelmüll den Kampf angesagt.



Ein Kleinkind verbraucht bis zum dritten Lebensjahr etwa vier Windeln pro Tag. Hochgerechnet bedeutet dies über eine Milliarde Windeln jährlich. Neben Windeln für Kleinkinder müssen auch noch Windeln für Erwachsene hinzuaddiert werden, etwa für Senioren mit Inkontinenz oder Menschen mit Behinderung. Der durch Windeln verursachte Müll ist enorm. Problematisch dabei ist, dass Windeln aus biologisch nicht abbaubaren Substanzen bestehen, nämlich außen aus Plastik und innen aus saugfähigem Zellstoffmaterial.


Ist die Windel-Recycling-Anlage die Lösung?

„Procter & Gamble" könnte nun jedoch eine Lösung für das Windelproblem gefunden haben. Der Pampers-Hersteller hat die erste Windel-Recycling-Anlage in Betrieb genommen. Aus gebrauchten Windeln wird etwa Katzenstreu hergestellt, so die Idee des Windel-Imperiums.

Wie der Stern berichtet, begann Procter & Gamble 2011 mit der Entwicklung eines ersten Prototypen. 2017 konnte das US-Unternehmen dann die weltweit erste Recyclinganlage für Windeln präsentieren, die sich in der norditalienischen Stadt Treviso befindet. 10.000 Tonnen Windel-Müll kann pro Jahr in der Anlage recycelt werden.

Wie aus stinkenden Windeln frisches Katzenstreu wird

In einem zweistufigen Verfahren können fast 100 Prozent der Rohstoffe zurückgewonnen werden, heißt es vom Pampers-Hersteller. Im ersten Schritt werden die benutzten Windeln unter hoher Hitze sterilisiert und schlechte Gerüche entfernt. Anschließend werden die Windeln in einem zweiten Schritt in verschiedene Bestandteile getrennt.

Aus einer Tonne Windelmüll können ungefähr 150 Kilogramm Zellulose und jeweils 75 Kilogramm Kunststoff und absorbierendes Polymer gewonnen werden. "Es lassen sich nahezu 100 Prozent der eingesetzten Rohstoffe einer trockenen Windel zurückgewinnen", heißt es von Procter & Gamble. Das gewonnene Material ist saugfähig und eignet sich beispielsweise ideal zur Herstellung von Katzenstreu.

Es ist noch ein weiter Weg

Windel-Recycling steckt noch in den Kinderschuhen und muss sich großen Herausforderungen stellen. Dazu gehört die stetig wachsende Bevölkerung, aus der logischerweise auch eine erhöhte Müllproduktion resultiert. Bisher gibt es lediglich eine einzige Windel-Recycling-Anlage weltweit, die die große Masse an Windelmüll nicht bewerkstelligen kann.

Procter & Gamble hat jedoch große Pläne: "Unser Ziel ist es, Windel-Recycling in zehn Metropolregionen weltweit bis 2030 aufgebaut zu haben." Das größte Problem, das das Unternehmen noch lösen muss, ist den Windelmüll effizient zu sammeln. In Deutschland müssen schmutzige Windeln bisher im Hausmüll entsorgt werden. "Wir sondieren gerade unterschiedliche Möglichkeiten, zum Beispiel das Einsammeln in Kindertagesstätten", heißt es vom Unternehmen.

Kritik durch Naturschützer

Das bisher nicht gelöste Logistikproblem macht auch Naturschützern Sorgen. Rolf Buschmann, Abfall-Experte beim BUND, hält eine flächendeckende Sammlung bei privaten Haushalten für schwer realisierbar. Er befürwortet stattdessen die Verwendung von Stoffwindeln. Die waschbare Stoffalternative zur heute beliebten Einmalwindel hat aus umwelttechnischer Perspektive aber ebenfalls einen Kritikpunkt - schließlich muss sie regelmäßig bei hohen Temperaturen gewaschen werden.
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