Tag der Gender Pay Gap: Noch lange keine Gleichheit

Gestern fand der so genannte Gender Pay Gap statt. Ein Tag, der daran erinnert, dass auch in Deutschland im Jahr 2019, der Lohnunterschied zwischen den Geschlechter erschreckend groß ist.



Bis zur Gleichberechtigung beim Thema Lohn ist es noch ein weiter Weg. Im Vergleich zum vergangenen Jahr ist der geschlechtsspezifische Gehaltsunterschied in Deutschland unverändert. Nach wie vor werden Frauen deutschlandweit beim Gehalt stark benachteiligt und erhalten durchschnittlich 21 % weniger Lohn als männliche Kollegen, die dieselbe Arbeit verrichten.

Die Auswertung einer Studie zum Tag der Gender Pay Gap des Portals Lohnspiegel.de zeigte nun, wie es in den einzelnen Bundesländern aussieht und wo der Gehaltsunterschied am größten ist. Die Studie gilt zwar nicht als repräsentativ, dennoch liefern die Ergebnisse einen guten Einblick in das Gehaltsgefüge der jeweiligen Bundesländer. Demnach ist der geschlechtsspezifische Unterschied besonders in Süddeutschland sehr ausgeprägt. Im Gegensatz dazu liegen im Osten von Deutschland die Gehälter relativ dicht beieinander. Mit einem landesweiten Gehaltsunterschied von 21 % liegt das Bundesland Baden-Würtemberg mit 22,7 % sogar über dem Durchschnitt. Auch in Rheinlandpfalz, im Saarland und in Niedersachsen verdienen Frauen im Gegensatz zu Männern über 21% weniger.

Deutschland in Europa an drittletzter Stelle

In Europa zählt Deutschland beim Thema Gehaltsunterschied zu den Ländern mit den größten Differenzen zwischen Frau und Mann. Mit einem Gehaltsunterschied von knapp über 20 % liegt Deutschland an drittletzter Stelle der europäischen Länder und schneidet damit erschreckend schlecht ab. Darauf folgen nur noch Tschechien mit einem ähnlichen Prozentsatz und Estland mit beinahe 25,5 % Gehaltsunterschied.

Für die Ungleichheit bei der Bezahlung sind zwei Faktoren ausschlaggebend. Zum einen arbeiten Frauen überdurchschnittlich oft in vergleichsweise schlecht bezahlten Berufen. Dazu gehören vor allem Jobs im sozialen Sektor, wie in der Physiotherapie oder in der Erziehung. Auch im Einzelhandel fallen die Gehälter oft sehr schlecht aus. "Bei den Löhnen hinken die sozialen Berufe, in denen Frauen überrepräsentiert sind, oft hinterher", erklärt Dr. Malte Lübker, Experte für Tarif- und Einkommensanalysen am Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Die besseren Löhne werden hingegen vor allem in technischen Bereichen gezahlt, in denen Männer mit durchschnittlich 90% überrepräsentiert sind.

"Mutter auf Teilzeitstelle macht selten Karriere"

Doch auch wenn Frauen und Männer im selben Beruf arbeiten, werden die weiblichen Arbeitnehmer meistens deutlich schlechter bezahlt. Ein Grund dafür sind kürzere Arbeitszeiten und Tätigkeitsunterbrechungen. "Teilzeit und Elternzeiten werden in Betrieben häufig abgestraft, da sie als Signal für geringeres Arbeitsengagement gelten. Das betrifft mehr Frauen, da sie nach wie vor das meiste an Haus- und Sorgearbeit übernehmen", sagt Dr. Yvonne Lott. "Eine Mutter auf einer Teilzeit-Stelle macht seltener Karriere. Und es gibt auch Unternehmen, die Teilzeitarbeit schlechter bezahlen als vergleichbare Vollzeitjobs, obwohl das illegal ist", erklärt die Expertin für Arbeitszeitforschung weiter.

Um Berufliches und Privates unter einen Hut zu bekommen, nehmen Frauen viel öfter schlecht bezahlter Jobs an, die dafür flexiblere Arbeitszeiten ermöglichen. "Es ist daher wichtig, auch in qualifizierten und anspruchsvollen Berufen mehr zeitliche Selbstbestimmung für Beschäftigte zu schaffen", so Lott weiter, "dies gilt sowohl für die Dauer, die Lage und den Ort der Arbeit." Wissenschaftler fordern von der Politik vor allem den Ausbau einer verlässlichen Kinderbetreuung und die Förderung partnerschaftlicher Arbeitsteilung. Vor allem geht es aber um die faire und gleichberechtigte Bezahlung und die Verhinderung von illegalen Niedriglöhnen.
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