SPD streitet über Tanzverbot

Jedes Jahr zum Osterfest beginnt die Debatte um das Tanzverbot an Karfreitag aufs Neue. Innerhalb der SPD kam es deshalb jetzt zum Streit zwischen Kevin Kühnert und Wolfgang Thierse.

Dr. h.c. Wolfgang Thierse, Bundestagspräsident a. D.

Der Chef der Jungsozialisten, Kevin Kühnert, äußerte sich erst kürzlich zum bestehenden Tanzverbot und befürwortete eine Aufhebung. An Karfreitag ist es nicht gestattet öffentliche Tanz- und Sportveranstaltungen abzuhalten. Dabei geht es vor allem um den Respekt vor den Christen, die an diesem Tag die Kreuzigung Jesu Christi betrauern. Dieses Verbot löst immer wieder Konflikte aus und zwischen den Befürworter und denen, die es ablehnen, entstehen hitzige Debatten.

Keine Party in der Kirche

Nachdem Kevin Kühnert sich kritisch zum Tanzverbot äußerte, stieß er innerhalb seiner Partei auf heftigen Gegenwind. Ganz vorne mit dabei war der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse. Der Sozialdemokrat ist seit Jahren Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken und will Kühnerts Kritik nicht gutheißen. Er zeigte sich durchaus erstaunt gegenüber dessen Aussagen und verkündete in einem Interview: „Bisher wusste ich nicht, dass die SPD eine Spaßpartei ist." Was nach einem fiesen Seitenhieb auf Kühnert klingt, basiert vor allem auf dessen Äußerungen zu Tanzveranstaltungen am Karfreitag. Kühnert sagte, er würde keine Party in einer Kirche anmelden wollen, doch „wer an dem Tag in die Disko gehen will, sollte das auch tun können." Diese Wahl solle jeder haben.

Tanzen bei verschlossenen Türen

Nicht nur Kühnert äußerte sich kritisch. Auch die Jungen Liberalen aus Hamburg sprachen sich gegen das Tanzverbot aus. Laut dem JuLi-Vorsitzenden Carl Cevin-Key Coste sei es „ein Relikt aus vergangenen Tagen". Den gläubigen Christen will er damit ihr Recht auf einen ruhigen Karfreitag nicht absprechen. Er wolle dem übrigen Teil der Bevölkerung lediglich gestatten, zu tun, worauf er Lust habe. In Stuttgart gab es vor kurzem sogar einen Gerichtsbeschluss über das Tanzverbot. Die Stadt erlaubte eine Vorführung der Filme Das Wort zum Karfreitag und Das Leben des Brian. Das Ganze müsse aber unter der Auflage von geschlossenen Fenster und Türen stattfinden. In Österreich hingegen streitet man immer noch über den Karfreitag als Feiertag für alle. Bisweilen gilt er nur für Mitglieder der Evangelischen Kirche. Die Mehrheit der österreichischen Bevölkerung ist katholisch und empfindet das als Diskriminierung.
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