6,2 Millionen Deutsche können diesen Text nicht lesen

Es ist noch keine Selbstverständlichkeit, dass Sie bis hier gekommen sind. Denn: wie die "LEO-Studie" ermittelt hat, können Millionen Erwachsene in Deutschland nicht richtig lesen und schreiben - und dabei sind die Hälfte von ihnen Muttersprachler.



Die rund 7000 Teilnehmer der Studie waren zwischen 18 und 64 Jahre alt und konnten alle mündlich mindestens so gut Deutsch, dass sie dem Team um die Hamburger Erziehungswissenschaftlerin Anke Grotelüschen eine Stunde lang Rede und Antwort stehen konnten.

Nicht nur Fremdsprachler haben Mängel im Lesen und Schreiben

Dabei kamen interessante Ergebnisse zu Stande: nur 47,4 Prozent derer, die nicht gut schreiben und lesen können, lernten zuerst eine andere Sprache als Deutsch. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass der größere Teil der in Deutschland lebenden Analphabeten Deutsch als Muttersprache hat. Ganze 62 % der erwachsenen Analphabeten sind erwerbstätig und nur 12 % arbeitslos, dabei haben drei Viertel der De-Facto-Analphabeten einen Schulabschluss.

Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Achim Derks, warnt aber davor, dass der Anteil unter jüngeren Menschen dabei stabil bleibe. Die jungen Erwachsenen wechseln ohne ausreichende Schreib- und Lesekenntnisse in die Arbeitswelt.

Welche Schuld trifft die Schulen?

Denn schon im Kindesalter wird das Lesen und Schreiben noch nicht genug gelehrt, sagt der Chef der Stiftung Lesen, Jörg Maas. Die Lesekompetenz der Viertklässler habe sich seit 2001 nicht verbessert und jeder Fünfte kann nicht ausreichend lesen. Interessant: Die deutschen Lehrer nutzen nur 90 Stunde pro Schuljahr für das Lesetraining - international liegt der Schnitt hingegen bei 160 Stunden. "Analphabetismus wächst nach", warnt Derks.

Dennoch sind die Zahlen derer, die Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben haben, rückläufig. Seit 2011 ist die Zahl der funktionalen Analphabeten um 1,3 Millionen gesunken. Das sei aber immer noch kein Anlass zur Entwarnung, sagt Achim Derks. Es brauche "noch mehr Anstrengungen der Schulen, um die Zahl der Analphabeten dauerhaft zu reduzieren".
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