Frankreichs Frauen setzen ein Zeichen gegen Gewalt

Immer mehr Französinnen engagieren sich in ihrem Land gegen häusliche Gewalt.
Hintergrund ist die Aktion einer Künstlerin und eine Umfrage der Regierung.
Sollte auch Deutschland seine Schlüsse daraus ziehen?



Vor einigen Monaten machte die Künstlerin Marguerite Stern mit ihrem neuen Projekt auf sich aufmerksam. Die bekennende Feministin befestigte Buchstabencollagen an verschiedenen Gebäudefassaden von Paris, die auf die vielen weiblichen Todesopfer durch häusliche Gewalt in Frankreich aufmerksam machen sollten. Zu lesen waren beispielsweise Sätze wie "Papa hat Mama umgebracht". Diese provokative Art der Aufklärung hat Wellen geschlagen: Viele junge Französinnen haben sich der Aktion angeschlossen und demonstrieren so gegen die Femizide in Frankreichs Haushalten.

Schreckliche Statistik

Eine aktuell laufende, öffentliche Umfrage der französischen Regierung zu heimischen Gewaltdelikten zeichnet zudem ein erschreckendes Bild: Seit Beginn des Jahres ist demnach alle zwei Tage eine Frau von Familienangehörigen getötet worden. Dieser empörende Durchschnitt ist leider auch in Deutschland möglich.

Ein Blick auf Deutschland

Auch in Deutschland sind die Zahlen ähnlich alarmierend: 2017 gab es laut BKA jeden Tag einen versuchten Frauenmord durch einen Partner oder Ex-Partner. Insgesamt wurden rund 139.000 Gewaltdelikte in Partnerschaften gezählt. In der Statistik enthalten sind neben Mord und Totschlag unter anderem auch alle Arten der Körperverletzung, Vergewaltigung und sexuelle Nötigung. Über 80 Prozent der Opfer sind weiblich, ein Dreiviertel der Täter männlich. Die häusliche Gewalt findet im Übrigen in allen Gesellschaftsschichten statt. 68 Prozent der Täter sind Bürger deutscher Herkunft.

Nur wenige holen sich Hilfe

Lediglich 20 Prozent der Frauen suchen nach Unterstützung, nachdem sie Opfer einer Gewalttat wurden. Umso fataler ist es, dass die vorhandenen Anlaufstellen für Betroffene, welche die Flucht an einen sicheren Ort wagen wollen, permanent überfüllt sind. Deutschlands Frauenhäuser haben seit Jahren mit Platzproblemen zu kämpfen, ohne dass sich etwas daran ändert. Eine landes- oder bundesweite Aktion, deren Ziel es ist, auf diesen gravierenden Missstand aufmerksam zu machen, wäre also auch in Deutschland denkbar.
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