Kann eine offene Beziehung funktionieren?

Immer mehr Paare entscheiden sich dazu, ihre Beziehung zu öffnen und mit anderen Menschen ein körperliches Verhältnis einzugehen. Doch kann dieses Beziehungskonstrukt überhaupt gelingen?


Der Großteil der Weltbevölkerung lebt monogam. Seit jeher gilt diese Form der Beziehung als standardgemäß und erstrebenswert. Eine geschlossene Partnerschaft vermittle Sicherheit, Vertrauen und Exklusivität. Doch entscheiden sich immer mehr Menschen, eine offene Beziehung zu führen.

Chancen und Risiken

Paare trennen sich nicht selten, weil ein Partner das Treueversprechen gebrochen hat und fremdgegangen ist. Das missbrauchte Vertrauensverhältnis kann nur schwerlich wieder aufgebaut werden. In offenen Beziehungen kommt es eher selten zu diesem Konflikt. Beide Parteien entschließen sich gemeinsam dazu, mit Dritten Zärtlichkeiten auszutauschen. So die Theorie. Doch eine Studie der University of Rochester zeigt, dass bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit dieses Beziehungsmodell wirklich beide Partner glücklich macht.

Die Untersuchung ergab, dass monogame und nicht-monogame Beziehungen am besten funktionieren, wenn Einvernehmen herrscht und die Partner offen miteinander kommunizieren. Wenn diese Aspekte nicht erfüllt sind, käme es laut Studienautor Ronald Rogge über kurz oder lang zu schwerwiegenden Problemen:

"Geheimniskrämerei in Bezug auf sexuelle Aktivitäten mit anderen kann sehr leicht toxisch werden und zu Gefühlen von Vernachlässigung, Zurückweisung, Unsicherheit, Eifersucht und Verrat führen, sogar in nicht-monogamen Beziehungen"

Auch käme es in offenen Partnerschaften darauf an, respektvoll, rücksichtsvoll und aufrichtig miteinander umzugehen. Partner in einer offenen Beziehung seien zusätzlich dem Druck der Gesellschaft ausgesetzt, da Monogamie immer noch als erstrebenswerteste Form des Miteinanders verstanden wird. Obendrein besteht die Möglichkeit, dass ein Partner gegenüber einem weiteren Geschlechtspartner Gefühle entwickelt. In diesem Fall steht die offene Beziehung auf dem Spiel.

Es kommt auf die Person an

Für Beziehungsexpertin Anna Holfeld spielt ehrliche und direkte Kommunikation eine große Rolle. Offene Beziehungen können ihrer Meinung nach nur funktionieren, wenn beide Partner sich intensiv darüber austauschen, was sie erwarten und brauchen. Auch sei es elementar, die jeweiligen Regeln und Grenzen abzustecken. Dieses Beziehungsmodell sei denkbar für Menschen, die anderen etwas gönnen können, ohne das Gefühl zu haben, dass ihnen dadurch etwas fehlt. Personen, die leicht eifersüchtig werden oder denen es an Selbstbewusstsein mangelt, rät die Expertin von einer nicht monogamen Partnerschaft eher ab.

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