"Hypersexualität": So belastend ist Sexsucht für Betroffene

Seit vergangenem Jahr gilt Sexsucht als anerkannte Krankheit. Betroffene verspüren einen derart übermäßigen Drang nach sexueller Befriedigung, dass ihr Alltag stark belastet wird. Müssen sie, um die Sucht zu besiegen, gänzlich auf Sex verzichten?


Sexsucht - oder auch "Hypersexualität" - kann sich durch mehrere Anzeichen bemerkbar machen. Erkrankte verspüren einen übermäßigen Drang nach Sex und setzen diesen zwanghaft in die Tat um. Auch der Konsum von pornografischen Bildern und Videos ist in vielen Fällen enorm. Einige Betroffene masturbieren mehrere Stunden am Tag, während sie sich durch die Bibliotheken von Porno-Plattformen klicken. Oftmals haben Sexsüchtige Geschlechtsverkehr mit ständig wechselnden Partnern, wobei eine wirkliche Befriedigung nicht erreicht wird oder schnell wieder verblasst.

Sex als Fluchtstrategie

Andere Interessen und Hobbys geraten mehr und mehr in den Hintergrund. Die zwanghafte Lust kann Betroffene derart vereinnahmen, dass persönliche wie professionelle Beziehungen gefährdet werden oder gar an der Situation zerbrechen.

Unter Umständen kann Hypersexualität ein Hinweis darauf sein, dass der Erkrankte Schwierigkeiten und Misserfolge im Privaten und Beruflichen zu kompensieren versucht. Wie ein Alkoholiker mit Hochprozentigem und dem damit zusammenhängenden Rausch aus der Realität flüchtet, versuchen auch Sexsüchtige ihrem Alltag zu entfliehen. Experten fanden heraus, dass Menschen mit geringem Selbstwertgefühl und/oder tief sitzenden familiären Konflikten eher dazu neigen, eine Sexsucht zu entwickeln als Personen mit gesundem Selbstbewusstsein und gefestigtem Freundes- und Familienkreis.

Mögliche Behandlungen

Während des Vollzugs sexueller Handlungen wird eine Vielzahl von psychologischen und biologischen Mechanismen ausgelöst, die ein Glücksgefühl hervorrufen. Das Belohnungssystem im Gehirn setzt ein, wir fühlen uns gut. Entwickelt sich hieraus eine Sucht, kann die Verknüpfung - zumindest in dieser Intensität - nur mit Anstrengung durchbrochen werden. In einigen Fällen erzielt therapeutische Hilfe die größten Erfolgsaussichten. Indem der Patient lernt, eine Impulskontrolle zu entwickeln, kann er auch die Kontrolle über sein eigenes Sexleben zurückgewinnen. Zusätzlich können auch Selbsthilfegruppen heilsam wirken. Oftmals wird nicht allein die Sexsucht thematisiert, sondern verstärkt auch die sich dahinter verbergenden Ängste und Konflikte, die die Hypersexualität erst auslösten.

Betroffene dürfen aufatmen: Das Ziel einer Therapie ist nicht sexuelle Abstinenz. Sex ist gesund und Bestandteil einer ausgereiften Lebensqualität. Was sich aber ändern soll, ist der Umgang mit der eigenen Sexualität. Um eine gesunde Einstellung zu dieser zu entwicklen, kann ein vorübergehender Sex-Verzicht allerdings helfen.

Wieso die WHO neben der Spiel- auch die Sexsucht als Krankheit anerkennt, zeigt das Video.
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