Werden in Hannover Elefanten gequält? Zoo kontert Vorwürfe

„Report Mainz" hatte Filmaufnahmen gezeigt, in denen Pfleger im Erlebnis-Zoo in Hannover Elefanten mit Metallhaken malträtieren. Wurden die Tiere misshandelt? Der Leiter des Zoos weist die Vorwürfe zurück.

Diese Bilder schockieren: Ein Pfleger sticht mehrfach mit einem sogenannten Elefantenhaken, ein Stock mit einem großen Metalldorn an der Spitze, auf einen Jungbullen ein. Das Tier brüllt. Es soll gefügig gemacht werden. Ein anderer schlägt heftig auf den Kopf eines Elefantenkalbs.

Die verstörenden Filmaufnahmen haben Tierschützer der Organisation PETA im Herbst 2016 im Zoo Hannover gemacht. In einem abgelegenen Areal, das für die Besucher des Erlebnis-Zoos nicht zugänglich ist. Hier sollen die Jungtiere für eine Elefantenshow trainiert werden, in der sie als putzige „Rüsselbande" auf Kommando Kunststücke vorführen.

„Dinge aus der Vergangenheit"

An die Öffentlichkeit gelangte das Material durch die ARD-Sendung „Report Mainz", die den Fall bereits am Dienstagabend ausführlich dokumentierte. In dem Bericht kommen auch Verantwortliche des Zoos zu Wort, die in den Aufnahmen jedoch nichts Verwerfliches entdecken konnten.

Anders sieht das der anerkannte Biologe und Direktor des Frankfurter Zoos, Prof. Manfred Niekisch: „Schläge und Ketten sind Dinge aus der Vergangenheit. Wir wissen heute, dass es sehr viel schöner ist für das Tier und für die Besucher, wenn sich die Tiere so verhalten, wie sie das auf natürliche Weise tun."

Leiter des Zoos zweifelt die Bilder an

Offensichtlich haben die Verantwortlichen des Zoos die emotionale Wirkung der Bilder unterschätzt. Nach der Sendung war das Entsetzen nicht nur in den Medien groß, sondern auch unter vielen Zoobesuchern. Der Leiter des Zoos in Hannover, Andreas M. Casdorff, verspricht nun, die Vorwürfe von einem externen Sachverständigen untersuchen zu lassen.

Gleichzeitig verwahrt sich der Zoo gegen die Darstellung des Berichts und die damit verbundene Vorverurteilung. So gäbe es „bereits seit mehreren Jahren im Zoo keine Elefantenshows mehr". Außerdem stellt der Zooleiter das Bildmaterial in Frage, dessen Herkunft und Kontext nicht „verifiziert" sei.

Und ergänzt: „Wir haben hier seit Jahren eine sehr intakte Herde mit einer tollen Sozialstruktur, in der 17 Kälber geboren wurden. Und wir kennen unsere Mitarbeiter, die diese Herde aufgebaut haben und täglich betreuen. All das passt mit den Bildern nicht zusammen und wird jetzt genau geprüft."

Konflikt um artgerechte Zoo-Haltung von Elefanten

Für Kenner der Materie scheint der Sachverhalt nicht viel Neues zu bieten. Hinter dem Konflikt stehen zwei Konzepte der Haltung von Zooelefanten. Danach werden die Tiere in Hannover nach der „Direct-Contact-Methode" gehalten. Hier ist der Tierpfleger Teil des Sozialgefüges einer Herde und muss sie beherrschen. Dazu wird der Elefantenhaken eingesetzt.

Diese Methode war früher in vielen Zoos Standard. Heutzutage setzt sich jedoch immer mehr die sanftere „Protected-Contact-Methode" durch, bei der die Herde eigenständig in ihrem Gehege lebt. Die Pfleger haben weniger Kontakt und versuchen die Tiere über positive Anreize wie Futterleckerlies zu motivieren.

Wie Hannovers Zooleiter Casdorff sagt, plane der Zoo bereits seit drei Jahren die Umstellung auf die Protected-Contact-Methode: „Aber das dauert." Denn damit sind umfangreiche Umbauten auf dem Gelände verbunden, die sich voraussichtlich noch bis ins Jahr 2020 hinziehen werden.
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