Emmanuel Macron: Frankreichs zukünftiger Präsident?

Mit knapp 24 Prozent aller Stimmen gewinnt Emmanuel Macron die erste Runde der französischen Präsidentschaftswahl und wahrt damit alle Chancen auf das Amt. Wer ist dieser Mann, der erst vor fünf Jahren in die Politik kam?



Parteienbeben in Frankreich: Beim Vorentscheid zur Stichwahl des Präsidenten am 7. Mai haben Emmanuel Macron und Marine Le Pen die etablierten Parteien gedemütigt. Nachdem die unterlegenen Kandidaten ihre Wähler dazu aufgerufen haben, ihre Stimme Macron zu geben, gilt der 39-Jährige als großer Favorit. In seiner Rede am Wahlabend zeigte der Sohn eines Ärzte-Paares aus Nordfrankreich, wie er die Wähler von seiner Person überzeugen will: durch eine Überwindung des Rechts-Links-Schemas in der französischen Politik. „Es gibt nicht mehrere Frankreichs, es gibt nur ein Frankreich, unser Frankreich", rief er seinen jubelnden Anhängern zu.

Und tatsächlich: Macron gibt sich als überzeugter Europäer, zögert aber nicht, die Politik der EU, insbesondere den Europakurs der deutschen Kanzlerin Angela Merkel scharf zu kritisieren. Der ehemalige Partner der Pariser Investmentbank Rothschild will das auseinanderdriftende Land mit einer sozialliberalen Politik versöhnen, die auf wirtschaftlichen Fortschritt, Ausgleich und soziale Gerechtigkeit setzt.

Aufstieg und Fall unter Präsident Hollande

Macron ist der Shootingstar der französischen Politik. Im Mai 2012 wechselte er als Berater in den Stab des frisch gewählten Präsidenten François Hollande. Zwei Jahre später ernannte ihn Hollande zum Wirtschaftsminister. Im Amt stieg Macron zum beliebtesten Politiker der Republik auf, verscherzte es sich aber mit Teilen der Sozialistischen Partei sowie ihr nahestehenden Gewerkschaften.

Ende August 2016 trat er von seinem Posten als Wirtschaftsminister im Kabinett des immer unbeliebter werdenden Hollande zurück. Emmanuel Macron konzentrierte sich jetzt ganz auf die kurz zuvor von ihm gegründete Bewegung „En Marche!", deren Initialen EM nicht zufällig mit denen seines Namens identisch sind. Sein Ziel ist seitdem das Präsidentenamt.

Mit 39 ist er Großvater von sieben Enkelkindern

Die Beliebtheit Macrons hängt mit seiner ungewöhnlichen Persönlichkeit zusammen. Im Alter von 29 Jahren heiratete er seine ehemalige Französischlehrerin, die 24 Jahre älter ist als er, und wurde zum Großvater von mittlerweile sieben Enkelkindern. Viele Franzosen schätzen an dem studierten Philosophen seine Dialogfähigkeit und sein Bemühen um die Versöhnung verfeindeter politischer Lager.

Kritiker bemängeln an dem jungen Politaufsteiger, viele seiner Ideen seien wenig konkret und seiner Politik fehle ein erkennbarer Kurs, wohin er das zerstrittene Land führen wolle. Bei der Stichwahl ist er so der klare Gegenpol zu Marine Le Pen, deren radikale Politik gegen Europa und die Zuwanderer der ehemaligen Kolonialmacht gerichtet ist.
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