US-Präsident Trump äußert Verständnis für Rechtsradikale

Lange dauerte es, bis der US-Präsident den rechtsradikalen Aufmarsch von Charlottesville verurteilt hat. Jetzt rudert er plötzlich wieder zurück.

In den USA sorgte der Fackelzug rechter Gruppierungen, die mit Hakenkreuzfahnen und Hitler-Gruß durch die US-Stadt Charlottesville zogen, für breites Entsetzen. Drei Menschen kam in Folge des Aufmarsches ums Leben. Zwei Polizisten starben bei einem Hubschrauberabsturz, eine Frau wurde am Folgetag von einem rechten Aktivisten mit dem Auto überfahren. Mehr als 30 Menschen wurden bei heftigen Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten teils schwer verletzt.

Die Bilder aus Charlottesville beherrschten danach die US-Medien. Eine breite Front aus Politik und Gesellschaft verurteilte das Auftreten der Rechtsradikalen. Darunter auch zahlreiche republikanische Abgeordnete. Nur einer schwieg dazu. US-Präsident Donald Trump. In einer ersten Erklärung verurteilte Trump lediglich allgemein die Gewalt, die „von vielen Seiten" ausgegangen sei.

Auf das späte Statement folgt die Wende

Erst als der Druck auf den US-Präsidenten immer größer wurde, trat er mit zwei Tagen Verspätung vor die Presse und verlas eine Erklärung, in der er den Aufmarsch der rechtsextremen Rassisten direkt verurteilt: Neonazis, Ku-Klux-Klan, und die Alt-Right-Bewegung seinen „abstoßend", die tödliche Autoattacke nannte er „rassistisch" motiviert. Danach verließ er kommentarlos die Bühne. Journalistenfragen waren nicht zugelassen.

Was am Montag keiner ahnte: Der Präsident war noch nicht fertig. Nach einem Auftritt zu Infrastruktur-Themen im Trump-Tower am nächsten Tag wurde er von Journalisten erneut auf Charlottesville angesprochen. Trump reagierte stocksauer. Und präsentierte nicht nur seine alte Version der Gewalt, die von „beiden Seiten" ausgegangen sei, sondern verteidigte auch noch den Aufmarsch der rechtsradikalen Demonstranten.

Trump im Wortlaut: „Ich habe diese Bilder genau angeschaut, viel genauer als Sie sie gesehen haben. Es gab eine Gruppe auf der einen Seite, die sich schlecht verhalten hat und eine auf der anderen Seite, die auch sehr gewalttätig war. Ich habe Neonazis verurteilt, ich habe viele verschiedene Gruppen verurteilt. Aber nicht alle diese Leute waren Neonazis, glauben Sie mir. Nicht alle diese Leute waren weiße Suprematisten, beim besten Willen nicht."

Trump verliert den Rückhalt in der Wirtschaft

Welche Reaktionen dieses Zurückrudern hervorrief, zeigt das Video. Währenddessen haben mehrere Wirtschaftsbosse aus Protest über Trumps Lavieren ihren Rückzug aus einem wirtschaftlichen Beirat im Weißen Haus angekündigt. Darunter sind die Chefs von Intel, Merck und des Sportartikelherstellers Under Armour sowie zuletzt auch Richard Trumka, Chef der einflussreichen Gewerkschaftsvereinigung AFL-CIO, und Industrieverbandschef Scott Paul.
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