Frau ohne Kopf gefunden: Neue Wende im Skandinavien-Krimi

Seit dem 10. August wird die schwedische Journalistin Kim Wall vermisst. Wahrscheinlich starb sie unter ungeklärten Umständen auf dem U-Boot eines prominenten dänischen Erfinders. Jetzt wurde eine Frauenleiche gefunden. Update: Es ist Kim Wal.

Diesen Kriminalfall könnte sich kein Drehbuchautor besser ausgedacht haben. Er elektrisiert seit Tagen die Menschen über die Grenzen Skandinaviens hinaus. Alles begann damit, dass der skurrile dänische Erfinder Peter Madsen am 11. August mit seinem selbst gebauten U-Boot „UC3 Nautilus" vor der Küste Kopenhagens havarierte. Ein Rettungsteam aus zwei Hubscharubern und drei Marineboot konnte den 46-Jährigen gerade noch rechtzeitig in Sicherheit bringen, während sein Boot in der Tiefe versank. Als Grund für die Havarie gab er Probleme mit dem Ballasttank an.

Kurz darauf stellte sich heraus, dass Madsen mit seinem U-Boot nicht allein in See gestochen war. Mit an Bord war die 30-jährige Kim Wall. Die schwedische Journalistin wollte ein Portrait über den in Skandinavien bekannten Tüftler verfassen, der seit einigen Jahren an einer Rakete für bemannte Weltraumflüge arbeitet. Deshalb war sie mit ihm am Abend des 10. Augusts in Kopenhagen zu einer Fahrt in dem 18 Meter langen Unterseeboot aufgebrochen. Aber niemals zu ihrem Freund oder ihrer Familie zurückgekehrt.

Hat Peter Madsen den Tod von Kim Wall verschuldet?

So fiel ein Verdacht auf Peter Madsen. Der Däne bestritt zunächst, etwas mit dem Verschwinden von Kim Wall zu tun zu haben. Sie sei bereits vor dem Sinken des Schiffs unversehrt auf der Halbinsel Refshaleøen vor Kopenhagen von Bord gegangen, sagte er der Polizei. Die wiederum vermutete ihre Leiche an Bord des gesunkenen U-Boots zu finden, was sich nach dessen Bergung in einer Bucht nahe Køge jedoch als falsch erwies. Dennoch glaubten die Ermittler nicht an Madsens Version der Ereignisse. Er kam in Untersuchungshaft und wurde weiter verhört.

Schließlich gestand Madsen: Nach seiner neuen Version sei die Journalistin bei einem Unglück an Bord des U-Boots ums Leben gekommen. Anschließend will er sie an einem nicht genannten Ort in der Køge-Bucht „bestattet" haben. Seitdem ermittelt die dänische Staatsanwaltschaft wegen schwerer fahrlässiger Tötung gegen ihn. Parallel dazu intensivierte die Polizei mit Tauchern und einem Schiff mit Sonar-Ortung die Suche nach der Leiche der 30-Jährigen.

Ein Radfahrer macht einen grausigen Fund

11 Tage nach ihrem Verschwinden könnte jetzt eine neue Wende eingetreten sein. In diesem mysteriösen Fall, in dem die Wahrheit immer nur scheibchenweise ans Licht kommt. Ein Radfahrer entdeckte gestern in den Gewässern vor Kopenhagen einen menschlichen Körper, der längere Zeit im Wasser gelegen haben muss. Nach der Bergung bestätigte die Polizei, dass es sich um den Torso einer Frauenleiche handelt. „Torso, weil es weder einen Kopf noch Arme und Beine gibt", so der leitende Kriminalbeamte Jens Møller Jensen.

Die Fundstelle soll sich in der Nähe der Køge-Bucht befinden, in der Madsen sein U-Boot wahrscheinlich absichtlich havarieren ließ. Ob es sich bei den gefundenen menschlichen Überresten tatsächlich um die schwedische Journalistin Kim Wall handelt, ist noch nicht zu hundert Prozent geklärt. Wie Møller sagt, kann die Identifizierung noch einige Tage dauern. Derweil bestätigte Madsens Anwältin Betina Hald Engmark, dass ihr Klient weiterhin seine Unschuld am Tod der Schwedin beteuere und der Polizei bei der Aufklärung des Falls helfen wolle.

Update: Wie die Polizei inzwischen bekanntgab, handelt es sich bei dem Torso um ein Leichenteil der Journalistin Kim Wal.
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