Paukenschlag: Petry verlässt die AfD

Erst Stimmen, jetzt Stunk: Kaum hat die AfD den Sprung in den Bundestag geschafft, schon sorgen interne Querelen für neuen Wirbel. Ausgelöst wurde er von Frauke Petry, die jetzt die Partei verlässt.



Der erste große Knall kam am Montag nach dem Wahlerfolg. Kaum war das Ergebnis von 12,6 Prozent und damit die Position als drittstärkste Fraktion gesichert, da servierte AfD-Chefin Petry in der Pressekonferenz einen kleinen Skandal: Sie kündigte an, ihr Direktmandat nicht als Teil der AfD-Fraktion wahrzunehmen – stattdessen wolle sie als fraktionslose Einzelabgeordnete in den Bundestag. Mit dieser Ankündigung verließ sie die Pressekonferenz nach wenigen Minuten und hinterließ leicht überrumpelte Parteikollegen.

Petry gegen den Rest der Partei
Dabei sind die inhaltlichen Differenzen zwischen Petry und dem Rest der Partei keine Neuigkeit: Bereits beim Parteitag in Köln im April 2017 hatte es heftig geknirscht, als Petry sich für einen gemäßigteren Kurs in der AfD einsetzte und damit bei anderen Delegierten auf Granit biss. Ihre Position als Parteichefin und außerdem Fraktionsvorsitzende im sächsischen Landtag behielt sie trotzdem – bis jetzt.

Bereits nach der Ankündigung, als Fraktionslose in den Bundestag einzuziehen, spaltete sich die AfD in jene, die Petry und ihrer Vorstellung von einem gemäßigten Kurs Beifall spendeten – und jenen Teil der Partei, der ihr den Austritt nahelegte, darunter der Co-Vorsitzende Jörg Meuthen. Am Dienstag nun trafen sich die verbleibenden 93 Mitglieder der AfD-Bundestagsfraktion zum ersten Mal und wurden unmittelbar mit Petrys nächster Ankündigung konfrontiert: Sie verlasse die AfD und auch die sächsische Landtagsfraktion, werde aber ihre Mandate behalten. Ihr folgen wird Ehemann Marcus Pretzell, Landeschef in NRW, der ganz loyal ebenfalls aus der Partei und der Landtagsfraktion in Düsseldorf austreten will.

Spaltet sich die AfD?
Die Bundestagsfraktion nahm die Ankündigungen gelassen hin – Spekulationen über eine neue Spaltung der Partei nehmen aber zu. Petry und Pretzell könnten weitere Abgeordnete folgen, für eine neue Fraktion im Bundestag wären allerdings mindestens 35 Abgeordnete notwendig. Doch auch wenn es bis dahin noch ein weiter Weg ist, scheinen die internen Zerwürfnisse ein Thema zu sein, von dem sich die AfD nicht lösen kann und das womöglich ihre nächsten Jahre im Bundestag prägen wird. Wie Petrys Weggang die Partei noch weiter nach rechts kippen lassen kann: im Video.
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