Paradise Papers: Wie Konzerne und Reiche ihre Steuern drücken

Ob Apple, Google oder Millionäre wie Lewis Hamilton: Durch Briefkastenfirmen und undurchsichtige Finanzgeflechte entgehen dem Fiskus Jahr für Jahr Milliarden. Deutschland ist in der EU besonders betroffen.

Nach den „Panama Papers" nun die „Paradise Papers": Wieder hat ein internationaler Verbund von Journalisten aus einer Steueroase brisantes Material zugespielt bekommen. Und wieder zeigt sich darin, wie geschickt Vermögende und internationale Konzerne Gelder und Firmenbeteiligungen über die Welt verteilen, um sich einer Selbstverständlichkeit zu entziehen: Steuern für Gewinne dort zu bezahlen, wo sie erwirtschaftet wurden.

Während jede normale Firma an ihrem Unternehmenssitz ihre Steuerschulden begleicht, beschäftigen Konzerne Heerscharen von hochbezahlten Experten, die sich damit auseinandersetzen, wie sich genau das vermeiden lässt. Möglich ist das nur, weil es Länder gibt, die ihr Steuerrecht so ausrichten, dass Vermögende aller Herren Länder dazu eingeladen werden, ihre Steuerschulden zu ihnen zu verlagern. Und zu einem Bruchteil dessen zu begleichen, der dort fällig würde, wo das Vermögen entstanden ist.

Ein unmoralischer Deal

Dieser unmoralische „Deal" rechnet sich für beide Seiten. Dazu muss man gar nicht nach Panama oder in andere exotische Steueroasen blicken, auch in der EU haben Länder ihre Steuergesetze so ausgebaut, dass sie zu einem Magneten für legale Steuerhinterzieher wurden. Das Kalkül dieser Staaten: Lieber ganz wenig von sehr viel profitieren als gar nicht. So werden nach Berechnungen der Journalisten der Panama Papers allein innerhalb der EU Jahr für Jahr 350 Milliarden Euro nach Belgien, Irland, Luxemburg, Malta, Niederlande oder Zypern transferiert, um Steuern zu umgehen.

Wie stark Unternehmen davon profitieren, erläutern die Autoren an einem besonders krassen Beispiel: Google. Der börsennotierte Internet-Konzern hat wichtige Teiles seines Unternehmens schon vor Jahren zu einer Tochtergesellschaft nach Irland verlagert. Denn das irische Steuerrecht ermöglicht es einem Unternehmen, den Großteil seiner Einnahmen auf der Steueroase Bermuda zu verbuchen. So zahlte der Weltkonzern im Jahr 2015 auf 15,5 Milliarden Dollar Gewinn genau null Prozent Steuern.

Wie viel Geld Deutschland so jedes Jahr entgeht

Nach Berechnungen der Universität Berkeley kosten diese legalen Steuertricks die EU-Staaten Jahr für Jahr etwa 60 Milliarden Euro. Dabei ist Deutschland besonders betroffen: Verlieren die EU-Staaten im Schnitt etwa ein Fünftel ihrer Unternehmenssteuern an Steueroasen, ist es in Deutschland fast ein Drittel. Oder in Zahlen: 17 Milliarden Euro. Wie sich Apple, Nike oder der Rennfahrer Lewis Hamilton an diesem Spiel beteiligen, erfahren Sie im Video.

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