Spionagevorwurf: Dicke Luft zwischen Deutschland und China

Auf dem Karriereportal LinkedIn sollen deutsche Arbeitnehmer vom Geheimdienst mit Fake-Profilen kontaktiert worden sein. Sagt der Verfassungsschutz. Chinas Außenministerium widerspricht.​​​​

„Grundlose Vorwürfe" nennt Lu Kang, Sprecher des chinesischen Außenministeriums, die Berichte des deutschen Bundesamtes für Verfassungsschutz. Und legt noch einen drauf: „Wir hoffen, dass sich alle deutschen Organisationen, besonders Regierungseinrichtungen verantwortungsvoll äußern und auch genauso handeln, anstatt Dinge zu unternehmen, die den bilateralen Beziehungen nicht dienlich sind."

Jedoch: Die starken Worte aus Peking haben bei Deutschlands Verfassungsschützern wenig Wirkung hinterlassen. Denn das Bundesamt legte kurz nach der Erklärung der Chinesen noch einmal nach: „Gerade chinesische Dienste sind in sozialen Netzwerken aktiv und versuchen seit einiger Zeit intensiv, über diesen Weg Informationen abzuschöpfen und nachrichtendienstliche Quellen zu werben."

Mit Fake-Profilen auf Jagd nach Mitarbeitern aus sensiblen Bereichen

Die Behörde mit Sitz in Köln und Berlin bezieht ihre Informationen von einer eigens eingerichteten Projektgruppe. Diese erforscht seit einiger Zeit die Aktivitäten fremder Geheimdienste in Sozialen Netzwerken. Dabei wurden die digitalen Schlapphüte besonders in dem Karriereportal LinkedIn fündig: Mitarbeiter chinesischer Dienste sollen dort getarnt als „Angehörige von Headhunting-Agenturen, Consulting-Firmen und Thinktanks oder als Wissenschaftler" auf Jagd nach passenden Opfern gegangen sein.

Demnach soll es allein im Zeitraum von Januar bis September 2017 mehr als 10.000 versuchte Kontaktaufnahmen mit deutschen Staatsbürgern gegeben haben. Besonders im Fokus sollen dabei Mitarbeiter von Parlamenten, Ministerien und Behörden gestanden haben. Als Beweis präsentiert der Verfassungsschutz zahlreiche Screenshots von Fake-Profilen, mit denen gefälschte chinesische Headhunter und Führungskräfte auf Kontaktejagd gegangen sein sollen.

Es geht um Informationen - gegen eine „entsprechende Vergütung"

Wie die Verfassungsschützer weiter berichten, versuchen die chinesischen Geheimdienstmitarbeiter die Angeworbenen mit falschen Versprechungen nach China zu locken. Die Kosten trage die chinesische Seite. Dort angekommen, werden die „Betroffene zumeist regelmäßig aufgefordert, wiederum gegen entsprechende Vergütung Berichte zu verfassen oder interne, sensible Informationen aus dem jeweiligen Arbeitsbereich weiterzugeben."

Inzwischen hat der zu Microsoft gehörende Online-Dienst LinkedIn reagiert und die aufgeflogenen Fake-Profile gelöscht. Allerdings nicht wegen des Spionagevorwurfs. Sondern deshalb, weil sie - wie das Unternehmen in einer Stellungnahme ausführt - gegen die Nutzungsbedingungen des Netzwerks verstoßen haben.
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