Türkei: Verwirrspiel um Mesale Tolus Freilassung

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Die deutsche Journalistin wurde heute aus der Untersuchungshaft entlassen. Und anschließend zu einer Polizeiwache gebracht, wo sie festgehalten wurde.

Deutschlands Türkei-Botschafter Martin Erdmann ist schwierige Missionen gewöhnt. Die geplante Freilassung der gebürtigen Ulmerin Mesale Tolu lässt den erfahrenen Diplomaten jedoch erzürnen: „Die spielen mit uns ein Versteckspiel." Gemeint sind die türkischen Behörden, die auch bei der Freilassung der Journalistin demonstrieren, wie in der Türkei derzeit mit Willkür regiert wird. Die 33-Jährige sollte heute eigentlich nach fast acht Monaten in Untersuchungshaft in die Freiheit entlassen werden. Zwar verließ Tolu zum verabredeten Zeitpunkt das Frauengefängnis in Istanbul, aber nicht um den Botschafter und ihre Familienangehörigen zu begrüßen.

Wie die beteiligten Personen berichten, wurde sie in einem Fahrzeug mit getönten Scheiben an ihrem Begrüßungskomitee vorbeikutschiert. Zu einer Polizeiwache. Wie es weitergeht, ist allen Beteiligten zur Stunde unklar. Das Gericht hat die Entlassung an eine Ausreisreisesperre gekoppelt, zugleich soll der Gefängnisdirektor die Abschiebung der Mutter eines zweijährigen Sohnes verfügt haben. „Wir müssen sehen, was das bedeutet, und ob das die endgültige Freiheit bedeutet, die Frau Tolu zusteht", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert einigermaßen ratlos in Berlin. Tolu lebt als Übersetzerin und Journalistin in Neu-Ulm und ist seit dem Jahr 2007 ausschließlich deutsche Staatsbürgerin.

Update: Am Abend konnte Mesale Tolu die Polizeistation verlassen. Im Büro ihres Anwalts in Istanbul sagte sie: „Ich bin sehr glücklich, dass ich auf freiem Fuß bin. Ich habe acht schwierige Monate durchgemacht." Der Prozess wegen Bildung einer Terroristischen Vereinigung ist aber noch nicht beendet. Tolu darf die Türkei vorerst nicht verlassen.