Aus Arthur wird Ahmad: AfD-Chef konvertiert zum Islam

Auf einer Pressekonferenz verkündet ein Mitglied aus dem Führungszirkel der AfD in Brandenburg seinen Übertritt zum Islam. Jetzt will Arthur Wagner zum Brückenbauer zwischen den Kulturen werden.

„Kommen Sie von Böhmermann?", fragte ein Journalist gleich zu Beginn der Veranstaltung. Und tatsächlich: Die Geschichte um das ehemalige Vorstandsmitglied der rechten Partei könnte auf den ersten Blick ein Scherz des linken TV-Komikers sein. Ist sie aber nicht. Das AfD-Mitglied Arthur Wagner und seine Konversion zum Islam sind echt, keine „Fake-News". Vielmehr lässt sich die schräge Geschichte als ein Sittenbild der politischen Zustände Deutschlands im Jahr 2018 begreifen.

Der Mann, um den es geht, wanderte 1993 mit seiner Familie als Russlanddeutscher in die Bundesrepublik ein. Später baute er sich an der Berliner Peripherie in Brandenburg eine neue Existenz auf. Einen wichtigen Platz im Leben des gläubigen Christen nahm lange Zeit die evangelische Kirche ein, in der er sich aktiv engagierte. Parallel dazu begann er als Dolmetscher für Flüchtlinge aus Tschetschenien zu arbeiten. Viele von ihnen waren Muslime.

Entfremdung mit der evangelischen Kirche

Doch irgendwie und irgendwann geriet das Leben des studierten Wirtschaftswissenschaftlers aus den Fugen: „Ich war Alkoholiker, habe Deutschland aufgegeben", sagt er über seine Krise. Im Sommer 2014 trifft der heute 48-Jährige auf einer AfD-Veranstaltung in Falkensee bei Berlin Alexander Gauland. Arthur Wagner ist von dem Brandenburger Landeschef der Rechtspopulisten fasziniert. Er tritt in die Partei ein. Und macht schnell Karriere. 2015 wird er Mitglied im Landesvorstand, 2017 wiedergewählt.

Zu der schnellen politischen Karriere kommt die immer größer werdende Entfremdung von der evangelischen Kirche. Wagner, der noch immer gebrochen Deutsch spricht, stört sich zunehmend an ihrer ablehnenden Einstellung gegenüber der AfD. Und an der liberalen Ausrichtung der Glaubensgemeinschaft: „Dann kam diese Ehe für alle und dieser Christopher Street Day, wo unsere Priester mit dem Wagen mitgefahren sind. Das hat mir nicht gefallen. Und das war das Ende."

Aus Arthur Wagner wird Ahmad Wagner

Auf einer Russlandreise im Oktober letzten Jahres habe er schließlich ganz zum Islam gefunden. In der Stadt Ufa besuchte er eine Moschee und habe sich dort sogleich zu Hause gefühlt: „Wenn Sie den Islam mit ganzem Herzen annehmen, dann plötzlich verstehen Sie die Muslime." Am 29. Oktober konvertiert er zum Islam, nennt sich ab sofort Ahmad Wagner. Zunächst ohne das Wissen politischer Glaubensgenossen. Erst am dem 11. Januar zieht er sich aus dem Landesvorstand der Partei zurück. Seine Mitgliedschaft in der AfD will er jedoch nicht beenden.

Die AfD zeigt sich von dem religiösen Sinneswandel ihres ehemaligen Führungsmitglieds einigermaßen verblüfft. Wie der Deutschlandfunk berichtet, würde sein Kreischef Kai Berger den Konvertiten gerne zum Austritt bewegen. Brandenburgs derzeitiger AfD-Vorsitzender Andreas Kalbitz sagt zu dem Thema: „Es gibt viele Errungenschaften unserer freiheitlichen Gesellschaft, die aus Sicht der AfD mit dem Islam unvereinbar sind."

Mehr Gemeinsamkeiten als viele glauben

Für Wagner beruht diese Sichtweise auf Unwissenheit gegenüber dem Islam. Und aus Angst. Hier will er Abhilfe schaffen. Er arbeite an einem Programm, das Nationalkonservative mit einem deutschen Islam verbrüdern soll: „Wir müssen reden, wie Männer, wie Menschen." Ob Wagner dafür bei der AfD Gesprächspartner findet, ist fraglich.

Wenngleich sein Fall gar nicht so besonders ist. In Frankreich konvertierte vor vier Jahren der Politiker Maxence Buttey vom Front National ebenfalls zum Islam. Rechtsextreme Politik und Islam haben mehr Gemeinsamkeiten als viele glauben, sagte er damals in einem Interview mit einer französischen Zeitung.
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