Streit um Videos? Amoklauf in kalifornischer YouTube-Zentrale

Eine Frau hat auf dem Campus des Internet-Unternehmens in San Bruno drei Menschen schwer verletzt. Anschließend tötete sie sich selbst.

Am Dienstagmittag wird die Ruhe auf dem sonnigen Büropark vor den Toren San Franciscos plötzlich von Schüssen durchbrochen. Menschen rennen in Panik. Angestellte der Google-Tochter, deren Sitz etwa 20 Kilometer vom Sitz des Mutterkonzerns entfernt liegt, verbarrikadieren sich hinter ihren Schreibtischen. Wenige Minuten später werden die Gebäude evakuiert.

Drei Menschen, ein 36-jähriger Mann und zwei Frauen im Alter von 32 und 27 Jahren, werden mit Schussverletzungen ins Zuckerberg San Francisco General Hospital eingeliefert. Der 36-Jährige schwebt in Lebensgefahr. Außerdem findet die Polizei nach ihrem Eintreffen im Bürogebäude die Leiche einer Frau. Es ist die mutmaßliche Schützin. Sie hat sich mit einer Pistole selbst gerichtet.

Ungewöhnliches Täterprofil

Die Polizisten des San Bruno Police Departments identifizierten die Verdächtige als Nasim Najafi Aghdam. Sie soll Ende 30 sein, gebürtige Iranerin und zuletzt in Südkalifornien gelebt haben. Das Profil ist statistisch gesehen ungewöhnlich. Denn nach einer Studie des FBI aus dem Jahr 2014 sind über 95 Prozent aller Amokschützen männlich.

Nach der Tat kommen schnell verschiedene Theorien über das mögliche Motiv von Aghdam in Umlauf. Klar ist: Sie hatte keine Komplizen. Einige US-Medien sprechen von einer Beziehungstat, andere von einem Rachefeldzug gegen YouTube. Einen politischen oder religiösen Tathintergrund schließen die US-Sicherheitsbehörden zum gegenwärtigen Zeitpunkt jedoch aus.

Streit über "unangemessene" Fitness-Videos

Was über die Täterin bekannt ist: Aghdam war in den Sozialen Medien sehr aktiv. Nach Informationen der New York Times unterhielt sie auf YouTube mehrere Kanäle auf Farsi, Türkisch und Englisch. Inhaltlich drehten sie sich um bunte Themen wie veganes Kochen, Tierrechte oder Fitness-Workouts. YouTube hat die Kanäle Dienstagabend alle aus dem Netz genommen.

Auf Facebook übt die mutmaßliche Amokschützin im Februar 2017 in einem Video scharfe Kritik an YouTube. Darin wirft sie der Videoplattform "Zensur" vor. Denn durch verschiedene Maßnahmen des Internet-Dienstleisters sei die Anzahl ihrer Seitenaufrufe reduziert worden. Mitarbeiter von YouTube hätten ihr außerdem mitgeteilt, dass einige ihrer Fitness-Videos Szenen enthielten, die gegen Jugendschutzbestimmungen verstoßen haben sollen und deshalb gesperrt wurden.

Aghdams Vater sagte am Mittwochmorgen gegenüber US-Medien, dass der Streit mit YouTube in letzter Zeit eskaliert sei. Vor zwei Wochen habe sie ihm mitgeteilt, dass die Internetplattform alle Zahlungen für ihre Videos eingefroren habe. Ob das ein mögliches Motiv ist? Weitere Informationen erhalten Sie im Video.
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