Fürs Heimatgefühl? Kritik an Söders Kreuz-Aktion

Ein Stück Holz mit großer Wirkung: Markus Söder will das Kreuz zurück in bayerische Behörden bringen – und rennt damit vor die Wand.


Schon wieder geht es um die Religion. Speziell bayerische Politiker sorgten zuletzt für Unfrieden, weil sie hartnäckig auf der Aussage beharrten, der Islam gehöre nun einmal nicht zu Deutschland. Jetzt wird die Dauerdiskussion vom christlichen Ende her neu angefacht – und wieder ist es ein bayerischer CSU-Mann, der neuen Brennstoff liefert. Markus Söder, als Ministerpräsident des Bundeslandes in die Fußstapfen von Horst Seehofer getreten, setzt wie sein Vorgänger auf Provokation. Anfang der Woche verkündete er den neuen Beschluss des Landeskabinetts: In jedem behördlichen Dienstgebäude im Freistaat Bayern habe ab Juni schon im Eingangsbereich "deutlich wahrnehmbar" ein Kreuz zu hängen – als "sichtbares Bekenntnis", weil es doch ein "Symbol der kulturellen Identität christlich-abendländischer Prägung" sei.

Nach dieser überraschenden Verkündung überrollte Söder und seinen Plan eine wuchtige Welle der Empörung. Dass Politiker anderer Parteien die Idee in der Luft zerreißen und sogar Parallelen zu Erdogans Vermischung von Politik und Religion ziehen, war zu erwarten. Auch, dass Studenten aus Regensburg eine Online-Petition gestartet haben, damit ihre Universität weiter ein neutraler, nicht unpassend von Religion geprägter Ort bleibt, ist keine Überraschung. Doch selbst gläubige Christen inklusive etlicher Kirchenvertreter laufen jetzt Sturm gegen Söders Kreuz-Aktion: Sie finden die Idee absurd und wehren sich dagegen, dass das christliche Symbol des Kreuzes so dreist für politische Zwecke instrumentalisiert wird. Denn in Bayern steht im Herbst die Landtagswahl an und vermutlich ist Söder jetzt schon damit beschäftigt, seine Wähler-Schäfchen ins Trockene zu bringen. Von einem "Missbrauch" des Symbols ist gar die Rede – und statt für Identität und Heimatgefühl würde das obligatorische Kreuz in den öffentlichen Gebäuden nur für Ausgrenzung sorgen, befürchten viele Christen.

Mehr über die Vorwürfe junger Christinnen und Christen gegen Söder ist im Video zu sehen.
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