Italienischer Innenminister will Roma und Sinti zählen lassen

Im Wahlkampf kündigte der italienische Innenminister Matteo Salvini Massenabschiebungen von Migranten an. Nun möchte er eine Zählung vornehmen lassen, um alle Mitglieder der Volksgruppe der Roma und Sinti in einem Register zu erfassen. Doch es regt sich Widerstand.

Schätzungsweise 170.000 Roma leben derzeit in Italien, besonders in den italienischen Metropolen, etwa 8.000 von ihnen in der Hauptstadt Rom. Der Großteil dieser Volksgruppe hat einen festen Wohnsitz und eine Beschäftigung. Am Rande der großen Städte leben aber auch Roma aus Rumänien und Ex-Jugoslawien in zum Teil illegalen Lagern.

Illegale sollen abgeschoben werden

Mit der von Salvini geforderten Zählung soll nun geprüft werden, wie viele Roma in Italien leben und unter welchen Umständen. Ausländer ohne gültigen Aufenthaltsstatus sollen so identifiziert und ausgewiesen werden. „Wir wollen ein Bild der Situation haben. Illegal in Italien lebende Ausländer können dank Abkommen mit den Herkunftsländern abgeschoben werden. Italienische Roma müssen wir leider hier bei uns behalten", so der italienische Innenminister.

Vergleich zum Nationalsozialismus

Mit seinem Vorhaben sorgte der Chef der fremdenfeindlichen Lega für einen Sturm der Entrüstung. „Der Innenminister scheint nicht zu wissen, dass in Italien eine Zählung auf Basis einer Ethnie nicht erlaubt ist", so Carlo Stasolla, Präsident der Vereinigung Associazione 21 Luglio, die für die Rechte von Sinti und Roma kämpft. Simona Malpezzi, Senatorin der sozialdemokratischen PD, bezeichnet die Roma-Zählung als „neueste Masche mit leicht faschistischem Anstrich". Viele ziehen einen Vergleich zum Holocaust, bei dem neben Juden auch Sinti und Roma verfolgt wurden. In Italien wurden unter Mussolini ab 1938 Juden verfolgt.

Bessere Integrationspolitik

Menschenrechtsgruppen sowie kirchliche Organisationen fordern eine bessere Integrationspolitik, die sowohl sichere Unterkünfte als auch Bildungsmaßnahmen gewährleistet. Zudem müsse besser über das Leben der Minderheit informiert werden, um Vorurteile abzubauen. Europa-Staatsminister Michael Roth twitterte: "Roma gehören zu uns. Sie sind die größte ethnische Minderheit in Europa. Wir müssen endlich Ausgrenzung, Stigmatisierung und Diskriminierung überwinden. Und zwar überall."

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