Studie zu Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche

Die am 25. September 2018 veröffentlichte Studie dokumentiert Missbrauchsfälle zwischen 1946 und 2014.


2010 wurden erstmals Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche in Deutschland bekannt. Die Kirche bemühte sich um die Aufarbeitung der Geschehnisse. Vor viereinhalb Jahre wurde eine Studie in Auftrag gegeben, dessen Ergebnisse nun vorliegen. Sie trägt den Titel "Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz" und wurde von einem interdisziplinären Forscherteam aus Heidelberg, Mannheim und Gießen durchgeführt.

Die Fakten

Im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz wurden mehr als 38.000 Personal- und Handakten aus den 27 deutschen Bistümern ausgewertet. Zwischen 1946 und 2014 wurden demnach 3.677 meist männliche Minderjährige von insgesamt 1.670 katholischen Klerikern sexuell missbraucht. Etwa 4,4 Prozent aller deutschen Kleriker aus dem Untersuchungszeitraum sind somit Täter. Dabei war mehr als jedes zweite Opfer unter 13 Jahre alt. Bei jedem sechsten Fall kam es zu Formen der Vergewaltigung. Die meisten der jetzt bekanntgewordenen Fälle sind allerdings längst verjährt und können daher nicht mehr juristisch verfolgt werden.

Schwächen der Studie

Der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in der Kirche, so vermuten die Forscher, bestehe mit großer Wahrscheinlichkeit auch weiterhin. Sie gehen zudem von einer großen Dunkelziffer aus. Es fehlen Aussagen von Opfern und Zeugenvernehmungen. Akten wurden manipuliert und in mindestens zwei Bistümern sogar vernichtet. Außerdem wird der Kirche mangelnde Transparenz vorgeworfen. So hatten die Verfasser der Studie keinen direkten Zugriff auf die Originalakten. Die beschuldigten Kleriker wurden häufig in eine andere Gemeinde versetzt, der Grund für die Versetzung wurde jedoch nicht kommuniziert. Die Bereitschaft der Kirche, die Täter zu bestrafen, sei der Studie zufolge "nicht sehr ausgeprägt".


"Wir haben zu lange weggeschaut"

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, bat die Opfer von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche um Vergebung. "Ich empfinde Scham für das Wegschauen von vielen, die nicht wahrhaben wollten, was geschehen ist und die sich nicht um die Opfer gesorgt haben", so Marx. "Wir haben zu lange weggeschaut, um der Institution willen und des Schutzes von uns Priestern und Bischöfen willen".

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