Skripal-Attentäter ein russischer Oberst?

Im Fall des Nervengiftanschlags auf den russischen Ex-Agenten Sergei Skripal und dessen Tochter gibt es neue Hinweise.



Bisher hatte Russland jede Beteiligung an dem Anschlag mit dem Nervengift Nowitschok Ende März vehement abgestritten. Nun haben das Recherche-Netzwerk Bellingcat und das russische Portal The Insider einen der beiden Verdächtigen angeblich eindeutig identifiziert. Einer der Täter soll Anatoli Chepiga sein, Oberst des russischen Militärgeheimdienstes GRU. Mehrere Personen mit Insider-Wissen hätten die Identität bestätigt.

Harmlose Touristen oder Geheimdienstagenten?

Bei ihrem Fernsehinterview vor knapp zwei Wochen hatten sich die beiden mutmaßlichen russischen Agenten als harmlose Touristen ausgegeben. Als Alexander Petrow und Ruslan Boschirow traten die beiden Männer im russischen Fernsehen auf. Nach ihrer Version der Ereignisse seien sie auf Empfehlung einiger Freunde ins englische Salisbury gereist, die ihnen diese wunderschöne Stadt ans Herz gelegt hätten.

Die britischen Ermittler werfen den beiden Verdächtigen jedoch vor, unter falscher Identität nach Salisbury gereist zu sein und dort den Giftanschlag auf Sergei und Julia Skripal verübt zu haben. "Die Regierung ist sich sicher, dass diese Männer Mitarbeiter des russischen Militärgeheimdiensts GRU sind, die eine verheerend giftige, illegale chemische Waffe auf den Straßen unseres Landes eingesetzt haben", gab das britische Außenministerium bekannt. Sergei und Julia Skripal entkamen nur knapp dem Tod und mussten monatelang behandelt werden. Die Britin Dawn Sturgess hatte weniger Glück und starb durch das Nervengift.

„Held der Russischen Förderation"

Russlands Präsident Wladimir Putin dürfte die Identität des mutmaßlichen Geheimdienst-Oberst Chepiga bekannt gewesen sein. Denn Chepiga war 2014 für seine Dienste in der Armee als "Held der Russischen Förderation" ausgezeichnet worden, mit dem höchsten staatlichen Orden, der in der Regel vom russischen Präsidenten verliehen wird. Der 39-Jährige soll in Tschetschenien und der Ukraine im Einsatz gewesen sein. Putin hatte Mitte September jedoch erklärt, dass es sich bei den Verdächtigen um Zivilisten und keine Militärangehörigen handele. Es gäbe "nichts Außergewöhnliches und Kriminelles" an ihnen.

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