Spanien: Senioren aus andalusischem "Horrorhaus" gerettet

In einem andalusischen Pflegeheim sollen mehrere Senioren misshandelt worden sein. Es gibt mehrere ungeklärte Todesfälle.



In der Küstengemeinde Chiclana in Andalusien sollen in einem privaten Seniorenheim Patienten schwer misshandelt worden sein - eingesperrt, unter Drogen gesetzt, nur per Magensonde ernährt. Zudem wurden die Bewohner ihres Geldes beraubt. Es handelt sich vorwiegend um ausländische Senioren.

Ein deutscher Rentner und eine ältere Frau aus den Niederlanden konnten nun von der Polizei befreit werden. Ihr Zustand sei „fürchterlich" gewesen. Das Pflegeheim glich nach Angaben der Polizei einem „Horrorhaus".

Ermittlungen durch deutsche Behörden angestoßen

Die Ermittlungen kamen durch einen Hinweis der deutschen Behörden ins Rollen. Eine 101 Jahre alte Deutsche, Maria B., wurde in Spanien als vermisst gemeldet. Die spanische Polizei konnte die Seniorin in dem privaten Pflegeheim ausfindig machen und befragte sie.

Wie herauskam, wurde Maria B. von einem Paar dazu überredet, von Teneriffa in das Pflegeheim in Chiclana umzuziehen. Sie sei komplett entmündigt und monatelang eingesperrt worden. Scheinbar wurde sie auch ausgenommen: über 160.000 Euro wurden von ihrem Konto gestohlen sowie ihr Haus auf Teneriffa verkauft. "Im Oktober hatte sie noch mehr als 162.000 Euro auf ihrem Bankkonto", teilte die Guardia Civil mit. "Nachdem das Paar in ihr Leben getreten war, hatte sie Mitte Dezember weniger als 300 Euro."

Wurde Maria B. ermordet?

Maria B. ist inzwischen auf ungeklärte Weise ums Leben gekommen – kurz bevor die Verdächtigen festgenommen wurden. Die Seniorin ist nach jetzigem Stand der Ermittlungen in einem Auto der Verdächtigen gestorben. Sie sei auf deren Betreiben sofort eingeäschert worden, erklärte ein Sprecher der Guardia Civil. Die Behörden konnten so keine Autopsie mehr durchführen. Man könne inzwischen einen Mord nicht ausschließen. Vier weitere Senioren sind in dem Pflegeheim ebenfalls „unerwartet gestorben" und ihrer Ersparnisse beraubt worden.

Mehr als 1,8 Millionen Beute

Sechs Menschen wurden festgenommen, darunter auch ein deutscher Staatsangehöriger. Sie sollen sich von den älteren Menschen insgesamt mehr als 1,8 Millionen Euro erbeutet haben, teilte die Polizeieinheit Guardia Civil mit.

Insgesamt soll die kriminelle Bande aus den sechs Festgenommen sowie neun weiteren verdächtigen Menschen bestehen. Den Verdächtigen wird unter anderem Betrug an Privatpersonen, Misshandlung, Urkundenfälschung, Betrug an der deutschen Sozialversicherung und Geldwäsche vorgeworfen. Mit dem erbeuteten Geld wollten sich die Verdächtigen offenbar ein Hotel an der Playa del Plamar in Cádiz bauen.
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