Historisch: Schweinezüchter wegen Tierquälerei verurteilt

Schweine mit abgebissenen Ohren und Schwänzen, sterbend in Fäkalien liegend. Ein Landwirt aus Baden-Württemberg ist wegen Tierquälerei zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden.



Das Amtsgericht Ulm hat am Freitag, den 15.03, einen industriellen Schweinezüchter zu drei Jahren Haft verurteilt. Der Richter führte vor allem die „Rohheit" des Landwirts gegenüber den Tieren und eine „besondere Intensität der Tierqual" an.

Der Angeklagte habe den Tieren erhebliche Schmerzen und Leiden zugefügt. In den Ställen in Merklingen seien hunderte Schweine aufgrund der dort herrschenden katastrophalen Zustände verendet oder mussten wegen Verletzungen auf Anweisung des Veterinäramtes getötet werden. In Bezug darauf sprach der Richter von einer „Massentierhölle". Der 56-jährige Angeklagte soll zwei verletzte Tiere mit einem Vorschlaghammer getötet haben. Insgesamt kamen in den Ställen 1.600 Schweine um.

"Zum ersten Mal wurde in Deutschland ein industrieller Tierhalter wegen Tierquälerei zu einer Gefängnisstrafe verurteilt", sagte der Gründer und Vereinsvorsitzende von Soko Tierschutz, Friedrich Mülln. "Endlich hat es ein Richter gewagt, ein Tabu zu brechen und Missstände in der industriellen Tierhaltung hart zu bestrafen". Tierschützer nennen das Urteil historisch.

2016 wurden die grausamen Zustände von Aktivisten aufgedeckt, welche in den Ställen gefilmt hatten. Das Verfahren wegen unerlaubtem Zutritt wurde nach einer Strafe von 100 Euro eingestellt. Alle Ställe wurden daraufhin geschlossen. Die Produkte des verurteilten Schweinezüchters wurden zuvor EU-weit mit diversen Gütesiegeln, wie beispielsweise Qualität aus Baden-Württemberg oder der Initiative Tierwohl, verkauft.

Dass Massentierhaltung ein weltweites und deutlich zu wenig beachtetes Problem ist, zeigt das folgende Video.

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