Deutsche Industrie: Aufträge brechen ein

Die deutsche Industrie war jahrelang unempfindlich für das Chaos der Weltwirtschaft. Erstmals sanken jetzt die Zahlen der Neuaufträge.


Bagger auf Euro-Banknoten

Experten warnen vor dem Ende des deutschen Konjukturaufschwungs. Über Jahre hinweg konnte sich die Industrie in Deutschland gegenüber Handelskriegen, Konjukturschwächen und politischen Krisen behaupten. Im Februar brachen die Zahlen nun seit langer Zeit das erste Mal ein. Experten reagierten auf die plötzliche Flaute sehr schockiert, denn eigentlich hatte man mit einem weiteren Zuwachs von 0,3 % gerechnet, doch der blieb aus. Vor allem auf Grund der niedrigen Auslandsaufträge im Neugeschäft – 4,2 % weniger als im Vormonat – sanken die Zahlen in den Keller. Auch im Inland schrumpfte die Konjunktur, dort gingen die Aufträge um 1,6 % zurück.

Fehlende Auslandsnachfrage

"Im Februar waren in den meisten Wirtschaftsbereichen sowohl aus dem Inland als auch aus dem Ausland weniger Bestellungen zu verzeichnen", war der Kommentar des Wirtschaftsministeriums zu dem starken Verlust. "In den kommenden Monaten ist insbesondere wegen fehlender Auslandsnachfrage weiterhin mit einer verhaltenen Industriekonjunktur zu rechnen." Experten wie Jens-Oliver Niklasch haben vor allem die Brexit-Unsicherheiten als zentrale Ursache ausgemacht. Auch der Konjukturabgang in China sei ein entscheidender Faktor für den Rückgang in Deutschland, sagt sein Kollege Thomas Gitzel von der DZ-Bank. Im Februar gingen vor allem die Bestellungen aus dem Ausland außerhalb der Eurozone stark zurück.

Keine "ausgeprägte Rezession"

Schon im Januar 2019 waren die Zahlen um 2,9 % gefallen, um dann im nächsten Monat auf fast 8 % zu rutschen. Auch zahlreiche Wirtschaftsforscher äußerten sich zu dem Rückgang. Oliver Holtemöller vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Halle rechnet mit dem Ende des langjährigen gesamtwirtschaftlichen Aufschwungs in Deutschland. Im Herbst hatten die Forscher noch eine Steigerung des Bruttoinlandsprodukts von 1,9 % errechnet, jetzt sehen sie die Zunahme nur noch bei 0,8 %. Vor allem politische Risiken sind, so die Experten, der Grund dafür. Trotz der schwächelnden Konjunktur sehen sie jedoch keine Gefahr für eine bedrohliche Rezession, allerdings werde aber auch der steigende Ausbau der Beschäftigung in nächster Zeit etwas zurückfallen.
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