Lebenslang für 85 Morde

Krankenpfleger Niels Högel muss sich für insgesamt 85 Morde verantworten und ist damit Angeklagter im größten Serienmordprozess der Nachkriegszeit.


Angeklagt wurde er für 100 Fälle, in denen Patienten aus Krankenhäusern in Oldenburg und Delmenhorst, auf sein Verschulden hin ums Leben kamen. Durch medizinische Gutachten konnten ihm jedoch von den 100 Fällen nur 85 nachgewiesen werden. Für die Serienmorde wurde Högel nun zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

Besondere Schwere der Schuld

Außerdem stellte das niedersächsische Landgericht in Oldenburg die besondere Schwere der Schuld fest. Das bedeutet für Högel, dass eine Freilassung frühestens nach 17 Jahren beantragt werden kann. Zudem wurde dem ehemaligen Krankenpfleger ein lebenslanges Berufsverbot auferlegt. Mehrere Gutachter diagnostizierten bei Högel eine Persönlichkeitsstörung, befanden ihn jedoch für schuldfähig. Der 42-Jährige sei, so die Gutachter, nicht in der Lage Scham, Schuld oder Reue für seine Taten zu empfinden. Er sprach zwar in seinem letzten Statement vor den Angehörigen der Opfer von Reue und entschuldigte sich, doch an Empathie fehle es ihm grundsätzlich, hieß es in einem psychiatrischen Bericht.

Schon einmal wegen Mord verurteilt

Niels Högel hatte in den Jahren 2000 bis 2005 zahlreiche Patienten in mehreren Kliniken zu Tode gespritzt. Dabei hatte er die wehrlosen Opfer in Lebensgefahr gebracht, um bei einer anschließenden Reanimation Anerkennung für seinen Einsatz zu bekommen. Viele der Patienten überlebten dies nicht und fielen so seinen Angriffen zum Opfer. Bereits 2015 wurde der Ex-Pfleger wegen zweifachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Erst daraufhin wurden die weiteren Morde aufgedeckt.

Es gab 126 Nebenkläger

Der Prozess um Niels Högel erhielt wegen der erschreckenden Anzahl an Morden viel Aufmerksamkeit in Deutschland, aber auch im Ausland. Aufgrund der hohen Medienbeteiligung wurde der Prozess in die Messehallen in Oldenburg verlegt und 126 Angehörige der Opfer nahmen an der Urteilsverkündigung als Nebenkläger teil. Ein weiterer Prozess um die Mordserie startet im Herbst. Angeklagt werden mehrere Klinikmitarbeiter von Högel, die auf eine erhöhte Sterberate zu seiner Dienstzeit oder Hinweisen und Verdachtsmomenten nicht nachgegangen sind. Es soll sogar Beweismaterial verschwunden oder von Mitarbeitern unterschlagen worden sein.

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