Unglücksort Tschernobyl wird Influencer-Hotspot

Der Tourismus im Sperrgebiet um das ehemalige AKW Tschernobyl boomt. Auf Grund einer neuen TV-Serie ist das Interesse an dem Unglücksort noch stärker gestiegen.


Genau 33 Jahre ist es her, als im ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl der Kernreaktor 4 explodierte. Das Unglück ereignete sich nach einem probeweise durchgeführten Stromausfall und zahlreichen Verstößen gegen diverse Sicherheitsvorschriften, woraufhin sich der Reaktor stark erhitzte, explodierte und anschließend in Brand geriet. Die nahe beim AKW gelegene Stadt Prypjat, die damals rund 50.000 Einwohner hatte, von denen die meisten in Tschernobyl arbeiteten, musste evakuiert werden. An der Explosion und den Folgen der extrem hohen Strahlenkontamination, verloren um die 4.000 Menschen ihr Leben. Die Katastrophe von Tschernobyl gilt international als schlimmster nuklearer Unfall aller Zeiten.

Der Tourismus steigt

Seit der Explosion ist ein großes Sperrgebiet rund um das AKW errichtet worden. Der betroffene Reaktor 4 wurde mit einer Konstruktion als Stahlbeton bedeckt. Die Stadt Prypjat ist schon lange ohne Einwohner und wurde zur Geisterstadt. Doch seit ein paar Jahren ist es Touristen wieder möglich, Ausflüge in die 30-Kilometer-Zone rund um das Atomkraftwerk zu unternehmen. Mittlerweile kommen immer wieder Besucher nach Prypjat, die in geführten Touren den Unglücksort besichtigen dürfen. Doch seit kurzem ist der Tourismus in Tschernobyl erheblich gestiegen.

Viele nutzen den Ort für Likes in sozialen Medien

Das liegt vor allem an einer neuen TV-Serie mit dem Titel "Chernobyl" , die auf der Unglücksgeschichte basiert. Die Besucherzahlen sind seit der Ausstrahlung um bis zu 40 % gestiegen. Und auch Blogger und Social Media Nutzer werden von dem Ort angezogen. Doch dafür ernteten viele Influencer nun harte Kritik. Bei den Fotos, die unter den Hashtags "Tschernobyl" oder "Prypjat" verlinkt werden, hat der Betrachter eher den Eindruck, die Menschen befänden sich im Disneyland, anstatt in einem Katastrophengebiet. Dort zeigen sich junge Frauen, breit grinsend in stillgelegten Karussellen sitzen oder Männer, die mit freiem Oberkörper vor dem Atomkraftwerk posieren.

Serien-Produzent ruft zu Respekt und Empathie auf

Dieser respektlose Umgang mit einem Ort, der tausenden Menschen das Leben gekostet hat, schockiert viele. Und das zu Recht. Auch der Produzent der HBO-Serie "Chernobyl" ist entsetzt und äußerte sich zu den Instagram-Bildern. "Wenn ihr Tschernobyl besucht, bitte erinnert euch, dass dieses schreckliche Ereignis hier geschah und verhaltet euch mit Respekt gegenüber all denen, die gelitten und sich geopfert haben", postete er auf Twitter.

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