Halle (Saale): Täter schießen vor Synagoge auf Passanten

Laut Polizei sind mindestens zwei Menschen in Halle (Saale) bei Schüssen ums Leben gekommen. Einer der Täter ist noch flüchtig. Die HAVAG stellt den kompletten Verkehr ein.


Die Stadt Halle befindet sich seit dem Mittag im Ausnahmezustand: Mindestens zwei Menschen sind bei einer Schießerei im Paulusviertel ums Leben gekommen. Ein Täter konnte gefasst werden, ein weiterer befindet sich nach derzeitigem Kenntnisstand noch auf freiem Fuß. Auch im nahe gelegenen Landsberg waren Schüsse zu hören.

Keine spontane Tat

Nach Informationen von MDR Sachsen-Anhalt waren die Täter in Kampfkleidung und mit Maschinenpistolen bewaffnet unterwegs. Nach Angaben eines Zeugen habe einer der Täter versucht, in einen jüdischen Friedhof einzudringen. Zudem habe er mehrmals mit einer Schrotflinte und einem Maschinengewehr auf die Tür geschossen und Granaten unter die Friedhofstür geworfen. Ein Mädchen, das gerade eine Straßenbahnhaltestelle verlassen wollte, fiel den Schüssen zum Opfer.

In der unmittelbaren Nähe des Tatorts befindet sich eine Synagoge, in der heute Jom Kippur - das Versöhnungsfest - gefeiert wurde. Neben dem jüdischen Friedhof soll auch die Synagoge einige Zeit später angegriffen worden sein. Bisher wurde die Zahl der Opfer aber nicht weiter erhöht. Die Polizei rät den Einwohnern, die Wohnungen nicht zu verlassen und die Fenster geschlossen zu halten. Die Rettungskräfte der Feuerwehr und die Polizei sind in Alarmbereitschaft.

Politische Reaktionen

Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand hat den Stab für Außergewöhnliche Ereignisse einberufen - die Stadt Halle spricht von einer "Amoklage". Der Regierungssprecher Steffen Seibert empfindet die Tat als "entsetzlich" und hofft sehr, "dass die Polizei den Täter oder die Täter möglichst schnell fassen kann und kein weiterer Mensch in Gefahr kommt." Die Ermittlungen zu den Schießereien hat mittlerweile der Generalbundesanwalt übernommen.

Im Anschluss an die Tat wurde der Hauptbahnhof in Halle gesperrt, zum Nachmittag die Polizeipräsenz auch in Leipzig und Umgebung verschärft. Nach neuesten Polizeiangaben haben sich Polizeikräfte in Wiedersdorf bei Landsberg versammelt - womöglich haben sich die flüchtigen Täter dort verschanzt.

Mehr Details zur tödlichen Schießerei im Video.
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