Niederlande: Rätsel um isoliert lebende Bauernhof-Gruppe

Auf einem Bauernhof in den Niederlanden werden sechs erwachsenen Menschen entdeckt, die dort seit Jahren in einem Versteck leben. Wurden sie dazu gezwungen? So ist der Stand der Ermittlungen.
Es ist eine seltsame Geschichte. Sie beginnt im Kastelein Café, einer Dorfkneipe in einem kleinen niederländischen Ort namens Ruinerwold. Vor etwa zwei Wochen taucht dort ein unbekannter Mann auf und trinkt allein einige Biere. Letzten Sonntag erscheint der 25-Jährige erneut im Kastelein. Er kommt mit Inhaber Chris Westerbeek ins Gespräch und erzählt ihm, er lebe seit neun Jahren auf einem Bauernhof in der Nähe – zusammen mit seinen jüngeren Geschwistern und seinem Vater. Der Mann, der sich Jan nennt und auf den Wirt einen verzweifelten Eindruck macht, bittet diesen schließlich um Hilf. Westerbeek alarmiert daraufhin die Polizei und die Geschichte, die seitdem die Menschen über die Grenzen der Niederlande hinaus beschäftigt, kommt ins Rollen.

Geheimer Trakt auf dem Gehöft

Die Einsatzkräfte durchkämmen den Hof mit einem Großaufgebot. Was sie in dem abgelegenen Gehöft vorfinden, wirft viele Fragen auf. In einem Teil des Gebäudes stoßen sie hinter einem Schrank auf einen isolierten Trakt mit mehreren Räumen. Hier finden sie fünf junge Erwachsene sowie einen bettlägerigen alten Mann. Von der Außenwelt sind sie scheinbar völlig abgeschottet. Wie der niederländische Regionalsender RTV Drenthe berichtet, könnten sie sich von einem Gemüsegarten und einer Ziege auf dem Hof ernährt haben. Angeblich gaben Mitglieder der Familie an, in ihrem Versteck seit Jahren auf das "Ende der Zeit" gewartet zu haben.

Schnell stellt sich heraus, dass der Hof, der nur etwa 200 Meter von den nächsten Häusern in Ruinerwold entfernt liegt, von einem 58 Jahre alten Österreicher gepachtet wird, der dort aber nicht wohnt. Die Nachbarn nennen ihn „Josef, den Österreicher". Er wurde zunächst von der Polizei festgenommen. In welcher Beziehung er zu der Familie steht, ist nach offiziellen Angaben noch nicht vollends geklärt. Nach Informationen der Polizei soll er sich bisher der Mitarbeit an der Untersuchung verweigern.

Lebte die Familie freiwillig so isoliert?

Wie ein Polizeisprecher weiterhin mitteilte, sei bisher auch unklar, ob die Familie freiwillig auf dem Hof gelebt habe. Ein Nachbar berichtete unterdessen der niederländischen Tageszeitung De Telegraaf, er haben den Österreicher täglich mit seinem Volvo zu dem Hof fahren sehen, den er sehr streng bewacht haben soll: „Du musstest nur in die Nähe des Ortes gehen und er hat dich sofort wegschicken. Er beobachtete alles durch ein Fernglas."

Keines der Familienmitglieder soll nach Angeben der Behörden in Ruinerwold gemeldet gewesen sein. Nach Aussage des örtlichen Bürgermeisters Roger de Groot sei die Mutter der Kinder offenbar bereits verstorben sein, bevor sie auf die Farm gezogen sind. Dort sollen sie seit neun Jahren von den Dorfbewohnern unbemerkt gelebt haben. Nach Recherchen des Algemeen Dagblad habe der älteste Sohn Jan einen Account auf dem Business-Portal LinkedIn. Dort sei zu lesen, dass seine Eltern einst erfolgreiche Geschäftsleute gewesen seien – bis seine Mutter im Jahr 2004 verstorben sei.

Weitere Informationen und Bilder zu der Geschichte finden Sie im Video.
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