Julian Assange in London vor Gericht

Der Gründer von WikiLeaks musste heute zum ersten Mal zu einem Gerichtstermin. Hintergrund ist seine mögliche Auslieferung an die USA.

Julian Assange wirkte bei seinem Auftritt vor dem Westminster Magistrates' Court sichtlich mitgenommen. Bereits vor sechs Monaten wurde der 48-Jährige von der britischen Polizei festgenommen und sitzt seitdem in einer einjährigen Haft, wegen Verstoßes gegen Kautionsauflagen. In den USA ist Assange für die Veröffentlichung geheimer Dokumente und Verstöße gegen das Anti-Spionage-Gesetz angeklagt worden. Ihm wird eine Verschwörung mit der Whistleblowerin Chelsea Manning vorgeworfen. Bei den geheimen Dokumenten soll es sich um Akten der US-Regierung handeln, in denen es unter anderem um Menschenrechtsverletzungen der US-Armee in Afghanistan geht, die anschließend auf Wikileaks veröffentlicht wurden. In den USA droht Assange bei Verurteilung eine lebenslange Haftstrafe.

Er kann "nicht klar denken"

Bei seinem Gerichtstermin in London soll Julian Assange stark mitgenommen gewesen sein und gab an "nicht klar denken" zu können. Äußerlich erschien er offenbar sehr gepflegt, frisch rasiert und im Anzug, soll jedoch einen sehr verwirrten Eindruck gemacht haben. Er soll sich nicht an seinen Geburtstermin erinnert haben und habe im Anschluss an die Anhörung erklärt, er wisse nicht, worum es geht. Auch die Bedingungen seiner Haft wurden von ihm und seiner Verteidigung kritisiert. Er könne nicht auf seine Schriften zugreifen und sich, im Gegensatz zu seinen Gegnern, nicht auf den Prozess vorbereiten. Auch sein Gesundheitszustand würde in der Isolationshaft nicht berücksichtigt werden. Zahlreiche Menschen fanden sich vor dem Londoner Gericht ein, um gegen Assanges Haft und die mögliche Auslieferung zu protestieren.

Hauptanhörung erst im Februar

Vor dem Termin hatte er eine Verschiebung der Anhörung beantragt, die jedoch vom Gericht abgelehnt wurde. Die Hauptanhörung des WikiLeaks-Gründers soll nach wie vor am 28. Februar 2020 stattfinden. Dann soll darüber entschieden werden, ob Assange an die USA ausgeliefert wird, oder nicht. Die Verteidigung des Australiers beantragte zudem die Prüfung der Zulässigkeit des US-Auslieferungsersuchens, doch auch dieser Antrag wurde von Richterin Vanessa Baraitser abgelehnt. Vor seiner Verhaftung hatte sich Assange sieben Jahre lang in der ecuadorianischen Botschaft in London versteckt, um angesichts der Vergewaltigungsvorwürfe einer Überführung nach Schweden und der Auslieferung an die US-Behörden zu entgehen.

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