Putin und Erdogan halten sich Militärschläge offen

Der russische Präsident und der türkische Staatschef machen gemeinsame Sache. Doch ist der russisch-türkische Deal von Sotschi und damit die angekündigte Waffenruhe in Syrien mehr Schein als Sein.


Im russischen Kurort Sotschi einigten sich Erdogan und Putin auf eine gemeinsam kontrollierte Sicherheitszone an der türkisch-syrischen Grenze und eine 150 Stunden lang anhaltende Waffenruhe in der Kampfzone. Allerdings können sich die Menschen in Nordsyrien nicht in Sicherheit wiegen, denn Erdogan lässt offen, ob nicht doch weitere Militärschläge folgen werden.

Weitere 150 Stunden

In der geschlossenen Vereinbarung wird der Kurdenmiliz YPG eine Frist von 150 Stunden zum Truppenabzug aus den Gebieten rund um die türkisch-syrische Grenze gewährt. Der offizielle Grund: Weitere Eskalationen sollen verhindert werden. Bereits am 9. Oktober hatten türkische Truppen eine Offensive gegen die als Terrororganisation verstandene YPG im Norden Syriens gestartet. Weltweit stieß dieser Schritt auf heftige Kritik, wie auch die Unterstützung des syrischen Staatsmanns Baschar al-Assad.

Ist die "Sicherheitszone" sicher?

Das in Sotschi vereinbarte Abkommen umfasst nicht mehr als eine DIN-A4-Seite und ist dementsprechend intransparent. Auf welche Gebiete sich der Deal im Speziellen bezieht ist genauso unklar wie das Vorhaben der führenden Machthaber. Experten befürchten, dass es zu weiteren Kampfhandlungen kommen könnte. Bisher hat die Türkei mehrmals damit gedroht, die Miliz zu attackieren, wenn diese sich nicht aus dem Grenzgebiet zurückzieht.

Erdogan spricht Warnung aus

Ein Kommentar des türkischen Präsidenten, der nur als Warnung interpretiert werden kann, befeuert die Befürchtungen: "Die Frist des Abkommens mit den USA endet heute Nacht [...]. Die gegebenen Versprechen wurden nicht vollständig eingehalten. Sobald wir zurückkehren, werden wir die endgültigen Ergebnisse bekommen, und wenn es so ist, dann werden wir die nötigen Schritte setzen."

Währenddessen geht die US-Regierung davon aus, dass sich die YPG aus den entsprechenden Grenzgebieten bereits zurückgezogen hat. In Ankara nahm man diese Information zwar zur Kenntnis, ließ jedoch offen, ob alle im Deal niedergeschriebenen Bedingungen tatsächlich erfüllt wurden und weitere militärische Schritte ausbleiben.

Alle Informationen zum umstrittenen Abkommen im Video.
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