Gericht entscheidet für den Erhalt der „Judensau"-Skulptur

Das Oberlandesgericht Naumburg kam heute in einem eher ungewöhnlichen Fall zu einem Urteil. Gegenstand der Anklage war ein antisemitisches Relief an einer Mauer der Wittenbergischen Stadtkirche.


Offensichtlich beleidigend

Der antisemitische Charakter des Reliefs ist bereits auf den ersten Blick sehr offensichtlich: Es zeigt einen Rabbiner, welcher den Anus einer Sau untersucht, während mehrere Juden an deren Zitzen trinken. In künstlerischen Darstellungen aus dem Mittelalter wurden Schweine oft als Sinnbild für den Teufel verwendet und auch im Judentum gelten sie als unrein.

Kontext ist entscheidend

Der Kläger Michael Dietrich Düllmann versuchte aufgrund dieser vermeintlich klaren Sachlage die Darstellung entfernen zu lassen. Obwohl das Gericht einräumt, dass das Motiv für sich genommen beleidigend ist, lehnte es die Klage des jüdischen Rentners ab. Grund dafür ist der Kontext, in dem das Relief heutzutage präsentiert wird: Ein Mahnmal und eine Informationstafel würden den Betrachter über den historischen Kontext der so genannten „Judensau"-Skulptur aufklären. Zudem verdeutlichten diese die Distanzierung der Kirche von dem Relief. Dementsprechend sei der Tatbestand der Beleidigung nicht erfüllt.

Kläger bleibt hartnäckig

Der 76-jährige Düllmann lässt sich von derartigen Urteilen jedoch offenbar nicht entmutigen. Es ist bereits das zweite Mal, dass die Kontroverse um das Relief der Kirche vor Gericht verhandelt wurde. Zuvor war die Klage schon vom Landesgericht Dessau abgewiesen worden. Doch auch nach dem aktuellen Rückschlag gibt Düllmann sich kämpferisch: Er werde über alle gerichtlichen Instanzen versuchen, seine Klage durchzusetzen. Ob er damit Erfolg haben wird, bleibt abzuwarten. Als nächstes wird sich der Bundesgerichtshof mit dem Fall befassen.

Reaktionen auf die Gerichtsverhandlung

Doch auch, wenn er vor Gericht schließlich keinen Erfolg haben sollte, hat seine Klage an anderen Stellen etwas bewirkt. Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden, sprach sich dafür aus, antisemitische Kunstwerke mit deutlicheren Hinweisen auf deren historischen Kontext zu versehen. Und auch Johannes Block, der Pfarrer der Wittenbergischen Stadtkirche, setzt sich nun für eine Umgestaltung des Mahnmals an der„Judensau"-Skulptur ein.

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