So leben Wuhan-Rückkehrer im deutschen Quaratäne-Quartier

ie sind der Epidemie zunächst entkommen - aber eben noch nicht ganz. In einer Kaserne der Bundeswehr im pfälzischen Germersheim leben derzeit 120 Menschen, die aus dem Seuchengebiet rund um die chinesische Millionenmetropole Wuhan ausgeflogen wurden und jetzt für mindestens zwei Wochen unter Quarantäne stehen. Hier stehen sie unter ständiger medizinischer Beobachtung, zweimal am Tage wird Fieber gemessen, dazu kommt ein regelmäßiger Rachenabstrich.


In der Kürze der Zeit haben die Helfer vom Deutschen Roten Kreuz vieles auf die Beine gestellt, um den Aufenthalt in der Kaserne so komfortabel wie möglich zu gestalten. Aber trotzdem sind längst nicht alle zufrieden. Einige beschweren sich über das Essen: Die deftige - "typisch deutsche" - Kost mit viel Käse und Sahne sind ein schwieriges kulinarisches Kontrastprogramm für alle, deren Gaumen an die chinesische Küche gewohnt sind. Auch die in Aussicht gestellte Versorgung mit WLAN klappte nicht auf Anhieb.

Ein weiterer Streitpunkt sind Pakete von außerhalb, die zunächst erlaubt waren, um die Versorgungslage zu verbessern und mit persönlichen Gegenständen von Angehörigen ein bisschen Privatheit zu ermöglichen, dann aber aus Sicherheitsgründen doch untersagt wurden. Auch wenn sich die Angst vor dem Virus bei den meisten Menschen in Grenzen hält, sind die Nerven angesichts der Enge und der ungewohnten Situation des faktischen Eingesperrtseins doch reichlich angespannt - vor allem bei Familien mit kleinen Kindern.

Der größte Stressfaktor ist die Angst, einer der hier zusammengefassten Wuhan-Rückkehrer könnte sich mit dem Coronavirus infiziert haben. Eine Aufteilung in Kleingruppen wäre sinnvoll gewesen, war aber aus organisatorischen Gründen nicht möglich. Daher werden alle 120 Insassen der Quarantäne als Schicksalsgemeinschaft behandelt: Sollte auch nur eine oder einer von ihnen positiv auf das Virus getestet werden, würde sich für alle 120 die Quarantänezeit um weitere zwei Wochen verlängern. Diese Aussicht verbreitet bei den meisten Quarantäne-Patienten weit mehr Schrecken als die Käse-Sahne-Nudeln bei der Essensausgabe.

Die persönliche Situationsbeschreibung einer Betroffenen zeigt das Video.
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