Armut in Spanien steigt stark an

Spanien wurde wie kaum ein anderes Land in der EU von der Corona-Krise getroffen. Jetzt, nachdem sich die Zahl der Neuinfektionen in Grenzen hält, drängt sich ein anderes Problem in den Vordergrund.


Das Coronavirus hatte Spanien lange in seinem tödlichen Griff. Dementsprechend streng sind die Hygienevorschriften, mit denen das Land versucht, die Verbreitung des Virus zu stoppen. Inzwischen ist die Lage anscheinend unter Kontrolle – zumindest wenn es nach Infektionszahlen geht. Doch wie auch in Deutschland und anderen Ländern weltweit ist die Krise dadurch noch nicht überstanden. Die massive Schwächung der spanischen Wirtschaft lässt weite Teile der Unterschicht in die Armut abrutschen.

Langes Warten auf Nahrungsmittel

Alleine in Madrid stehen pro Tag über 100.000 Menschen vor Kirchen und anderen gemeinnützigen Organisationen , um an Lebensmittelspenden zu gelangen. Laut der dortigen Lebensmittelbank sei die Zahl der Anfragen um etwa 40 Prozent angestiegen.

Gonzalo Ruipérez von der Pfarrkirche San Juan de Dios in Madrid spricht von beinahe doppelt so vielen Bedürftigen alleine in seiner Gemeinde. Die weiteren Zahlen sind ähnlich deutlich: In rund 1,1 Millionen Haushalten Spaniens hat kein kein einziges Mitglied Arbeit. Mehrere hunderttausend Spanier befinden sich in Kurzarbeit. Da ist es kein Wunder, dass die Armut im Land steigt.

Wirtschaft soll wieder angekurbelt werden

Die Regierung Spaniens setzt zur Lösung dieses Problems vor allem auf die Wiederbelebung der Tourismusbranche. In einem ersten Schritt gab das spanische Ministerium für Tourismus bekannt, dass Franzosen, Skandinavier und Deutsche bereits vor Juli wieder Urlaub auf den Balearischen- und Kanarischen Inseln machen sollen dürfen. An diesen Orten könne man die Einreisebeschränkungen bereits ab dem 22.Juni entsprechend lockern. Im Gespräch sei außerdem, die Regionen Katalonien und Andalusien ebenfalls wieder für diese Touristengruppen zugänglich zu machen.

Wird der Notstand dennoch verlängert?

Trotz der Lockerungen für den Tourismus kündigte Ministerpräsident Pedro Sánchez außerdem an, dass der Notstand, in dem sich das Land aktuell befindet, bis zum 21. Juni verlängern werden soll. Ob es wirklich dazu kommen wird, entscheidet sich am kommenden Mittwoch. Dann wird das Parlament über den Antrag der Regierung abstimmen.

Weitere Infos zur Armut in Spanien durch die Corona-Krise zeigt das Video.
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