Bekommt England bald Millionen neue Bürger aus Hongkong?

Der britische Premierminister Boris Johnson hat bis zu drei Millionen Hongkongern angeboten, ihnen eine englische Einbürgerung zu ermöglichen. Peking ist davon gar nicht angetan.


Die diplomatischen Unruhen, die das neue Sicherheitsgesetz in Hongkong auslöste, gehen in die nächste Runde: Boris Johnson hatte der chinesischen Regierung bereits vor etwa einem Monat gedroht, die Einbürgerung von bis zu drei Millionen Hongkongern in Kauf zu nehmen, sollte die Volksrepublik das umstrittene Sicherheitsgesetz für Hongkong tatsächlich verabschieden. Da dies geschehen ist, sah sich die chinesische Regierung nun gezwungen, ihre Stellung zu Johnsons Angebot nochmal deutlich zu machen.

Ehemalige Kronkolonie

Doch der Reihe nach: Wie begründet Johnson eigentlich den Anspruch so vieler Menschen aus Hongkong auf eine englische Staatsbürgerschaft? Die Antwort liegt in der Geschichte der Metropole: Von 1843 bis 1997 war Hongkong eine Kolonie der britischen Krone. Als England China per Vertrag die Staatshoheit übertrug, wurde auch das oft genannte Prinzip "Ein Land, zwei Systeme" gesetzlich festgehalten. Dieses garantiert Hongkong den Status einer Sonderverwaltungszone mit freier Marktwirtschaft und weitreichender interner Unabhängigkeit von China.

Das neue Sicherheitsgesetz

Englands Regierung sieht diese Unabhängigkeit durch das neue Sicherheitsgesetz gefährdet, da es China erlaubt, ohne Erlaubnis des Parlaments von Hongkong gegen vermeintliche "Feinde" der Volksrepublik in der Sonderverwaltungszone vorzugehen. Darunter fallen, laut Peking, Anhänger separatistischer oder terroristischer Gruppierungen sowie Menschen, die "geheime Absprachen" mit ausländischen Mächten treffen, die China nicht wohlgesonnen sind.

Wie die Einbürgerung funktionieren soll

Wegen dieses Gesetzes bedient sich London nun eines Tricks: Bereits 350.000 Hongkonger tragen den Status eines Britischen Bürgers in Übersee (BNO). Diese konnten bisher bis zu sechs Monate in England bleiben, ohne ein Visum zu beantragen. Johnson möchte diesen Zeitraum nun auf bis zu fünf Jahre ausweiten und den infrage kommenden Menschen zudem ein Recht auf Arbeit und die Möglichkeit der Einbürgerung schenken. Anrecht auf diesen Status haben theoretisch alle Hongkonger, die vor der Übergabe Hongkongs an China 1977 geboren wurden – insgesamt etwa drei Millionen Personen.

Klare Worte aus China

Die Reaktion der Volksrepublik China auf den Vorstoß Großbritanniens ist, wie zu erwarten war,: «Alle Hongkonger Landsleute, einschließlich jene, die einen Pass als Britische Bürger in Übersee haben, sind chinesische Staatsbürger", sagte der Sprecher des chinesischen Außenamtes am Donnerstag. «Die chinesische Seite verurteilt dies scharf und behält sich das Recht auf weitere Antworten vor.»

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