Corona: Neue Erkenntnisse zum Thema Immunität

Immunität, das war insbesondere zu Beginn der Corona-Pandemie das Hoffnungs-Schlagwort schlechthin. Neue Studien allerdings lassen an der Annahme, nach einer erfolgreich bekämpften Infektion immun zu sein, zweifeln.


Ganze Konzepte wie die Herdenimmunität beruhen auf der Hypothese, dass nach einer einzigen Infektion Antikörper gebildet werden, die dann ein wiederholtes Ausbrechen der Krankheit verhindern. Diese Antikörper aber, so legen neueste Studien nahe, seien besonders bei Erkrankten mit seichten oder ausbleibenden Symptomen nur kurzzeitig im Blut nachzuweisen. Und das wiederum widerspricht einer einsetzenden Immunität.

Studien noch unbestätigt

Diese Beobachtung machten unter anderem das Universitätsspital Zürich, das Lübecker Gesundheitsamt und Forscher aus China. Wo letztere die Ergebnisse im Fachblatt "Nature Medicine" publizierten, sind die erstgenannten Studien weder in einem Fachjournal erschienen noch von Experten gegengeprüft worden. Die vorläufigen Ergebnisse seien somit mit Vorsicht zu betrachten. Trotz dessen ist eine Tendenz nicht zu übersehen: Antikörper-Massentests, die Corona-Infektionen in Gänze offenlegen sollen, erscheinen auf diesem Hintergrund zweifelhaft.

Auswirkung auf Impfstoff-Entwicklung

Bestätigen sich die jüngsten Beobachtungen, könnte die derzeit diskutierten Immunitätspässe an Nutzen verlieren. Zudem könnte die Suche nach einem entsprechenden Impfstoff erschwert werden, da dessen Entwicklung stark vom detaillierten Verständnis des Virus' abhängt.

Asymptomatische Erkrankungen

Auffällig ist, dass Covid-19 unterschiedliche sowie unterschiedlich starke Symptome auslöst. Bei Erkrankten mit mildem Krankheitsverlauf werden laut dem Virologen Thomas Jacobs selten Antikörper im Blut gefunden, da "wenige Viren im Hals- und Rachenbereich [...] wahrscheinlich nicht [genügen], um eine große Antikörperantwort oder T-Zellen-Immunität auszulösen." Bei Infizierten, die einen schweren Krankheitsverlauf durchleiden, reagiere das Immunsystem dementsprechend und baue vermutlich einen längerfristigen Schutz auf.

Teilimmunität denkbar

Wo die Studien eine Immunität eher widerlegen, etablieren sie eine neue These. Eine überstandene Infektion könnte zumindest die Symptome einer erneuten Ansteckung abschwächen. Die Frage, die Forscher in diesem Zusammenhang beschäftigt: Welcher Teil der Immunabwehr bedingen diesen (Teil-)Schutz? Potenzial hierfür würden B-Zellen und T-Helferzellen zeigen. Letztere könnten sich an eine Ansteckung mit anderen Coronaviren erinnern und eine Teilimmunität auslösen.

Alle Informationen zu den neuen Studien im Video.
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